AfD nutzt Berliner Messerangriffe als Wahlkampfthema – doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte
Hannah BöhmAfD nutzt Berliner Messerangriffe als Wahlkampfthema – doch die Zahlen erzählen eine komplexere Geschichte
Die rechtspopulistische Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Berlin rückt Messerangriffe in den Mittelpunkt ihres Wahlkampfs. Die Partei wirft der Politik vor, das Problem jahrelang ignoriert zu haben, und verweist auf einen deutlichen Anstieg der Attacken in der Hauptstadt. Kritiker hingegen werfen der AfD vor, die Debatte gezielt zu nutzen, um Ängste zu schüren und gegen Migranten zu hetzen.
Um ihre Position zu untermauern, hat die AfD ein digitales Tool namens "Messer-App" veröffentlicht, das polizeilich erfasste Vorfälle, Verletzungen und Tatorte auf einer interaktiven Karte darstellt. Laut Berliner Polizei gab es 2024 insgesamt 3.412 Messerangriffe – ein Anstieg um 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die AfD behauptet, die offiziellen Kriminalstatistiken würden das wahre Ausmaß verschleiern, und verweist auf die große Lücke zwischen gemeldeten Vorfällen und tatsächlichen Verurteilungen. Wie aus Polizeiberichten und Gerichtsakten hervorgeht, führten bis Ende 2025 nur 12 von 133 Messerattacken aus dem Jahr 2024 zu Anklagen oder Verurteilungen. Als Hauptgründe wurden fehlende Zeugenaussagen (45 Prozent der Fälle), mangelnde Videoaufzeichnungen (38 Prozent) und flüchtige Tatverdächtige (52 Prozent) genannt.
Auch die Schusswaffenkriminalität ist stark angestiegen: 2025 verzeichnete die Polizei einen Anstieg der Waffendelikte um 68 Prozent. Die AfD fordert die regierende Koalition auf, mehr Details offenzulegen – etwa zur Herkunft der Tatverdächtigen, eine Praxis, die Berlin im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern bisher vermeidet.
Kristin Brinker, Fraktionsvorsitzende der AfD in Berlin, wirft der Regierung vor, die gewalttätige Kriminalität nicht offen anzugehen. Mit einer neu veröffentlichten Übersicht zu Messerangriffen will die Partei mehr Transparenz erzwingen. Gegner wie die Linke verurteilen diesen Schritt jedoch als gezielte Stimmungsmache gegen Migranten.
Die digitale Anwendung der AfD zeigt Echtzeitdaten zu Messerattacken, darunter Tatorte und Häufigkeit von Verletzungen. Die Partei argumentiert, dies helfe Bürgern, das Ausmaß des Problems zu begreifen – Kritiker halten dagegen, dass dadurch eher Ängste geschürt als Lösungen geboten würden. Die Debatte um Messergewalt ist nun ein zentrales Thema im Berliner Wahlkampf. Mit ihrem digitalen Melde-Tool und der Forderung nach mehr Datentransparenz setzt die AfD die Koalition unter Druck. Gleichzeitig belegen Polizeistatistiken, dass die meisten Angriffe ungesühnt bleiben – mit niedrigen Verurteilungsquoten aufgrund fehlender Beweise und flüchtiger Täter.






