AfD und Russland: Wie die Friedensrhetorik Moskaus Agenda dient
AfD-Russland: Märchen der Friedenspartei
Die AfD präsentiert sich als friedensbereiter Dialogpartner durch ihre Russlandreisen - wer und wo man vor Ort spricht, verrät die wahren Absichten.
2025-12-06T04:00:00+00:00
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AfD und Russland: Das Märchen von der Friedenspartei
Teaser: Die AfD inszeniert sich mit ihren Russland-Reisen als dialogbereiter Akteur der Friedenspolitik – doch wer vor Ort mit wem spricht, verrät die wahren Absichten.
Artikeltext:
Die rechtsextreme AfD hat ihre Verbindungen zur russischen Regierungspartei Einiges Russland durch eine Reihe hochkarätiger Besuche und politischer Kooperationen vertieft. Diese Kontakte, oft als diplomatische Initiativen verkleidet, stehen in der Kritik, da sie sich mit Moskaus autoritärem Kurs decken. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass es sich dabei um eine gezielte Strategie zur Festigung der Beziehungen zwischen beiden Lagern handelt.
Die Annäherung zwischen der AfD und russischen Funktionären begann zunächst zögerlich. Erste Avancen der deutschen Rechtsextremen stießen bei ihren russischen Gegenübern noch auf Skepsis. Doch spätestens 2020 empfing Außenminister Sergej Lawrow mehrere AfD-Vertreter – ein Zeichen für den Wandel in der Haltung des Kremls.
Eine zentrale Figur dieser Allianz ist der deutsch-russische AfD-Funktionär Juri Kofner, der über Verbindungen zu prorussischen Medien verfügt. Zuvor arbeitete er für den Kreml-Sender RT sowie das rechtsextreme Magazin Compact und festigte so die ideologischen Brücken zwischen beiden Bewegungen.
In Sotschi veranstaltete Einiges Russland gemeinsam mit der Russischen Akademie der Wissenschaften ein „BRICS-Europa“-Symposium – ein klares Signal institutioneller Unterstützung für die Partnerschaft. Mit Steffen Kotré und Jörg Urban, zwei Vertretern des rechtsextremen AfD-Flügels, nahm die Partei aktiv teil und zementierte damit die Verbindung. Kritiker werfen der Veranstaltung vor, sie habe vor allem als Plattform für Moskaus geopolitische Propaganda gedient, nicht aber echter Diplomatie.
Hans Neuhoff, AfD-Abgeordneter im Europaparlament, spielt eine Schlüsselrolle bei der Pflege dieser Kontakte. Er plant die Teilnahme an einem weiteren Kongress in Sotschi zu den EU-BRICS-Beziehungen, finanziert von der AfD-Fraktion im Bundestag. Sein Mitarbeiter, der Verbindungen zur russischen Rüstungsindustrie unterhält, arbeitet in Ausschüssen für EU-Verteidigung und Ukraine-Fragen – ein Engagement, das Beobachter als Dienst an russischen Interessen bewerten. Neuhoff und sein Umfeld stellen regelmäßig Sanktionen gegen Moskau infrage und verbreiten kremlfreundliche Narrative.
Innerhalb der AfD gibt es weiterhin Spannungen: Während offen rechtsextreme Kräfte eine engere Zusammenarbeit mit Russland fordern, zeigen pragmatische Strategen Vorbehalte gegen eine zu offensichtliche Annäherung. Sergej Glasjew, ein Berater Putins, hatte bereits 2019 erklärt, Russlands bisherige Zurückhaltung in der Ukraine sei ein „strategischer Fehler“ gewesen – eine Position, die bei den prorussischsten AfD-Kreisen auf Zustimmung stößt.
Die Kooperation der AfD mit Einiges Russland beschränkt sich nicht auf symbolische Gesten. Durch organisierte Veranstaltungen, ideologische Gleichschaltung und Personal mit direkten Bezügen zu russischen Staatsmedien und Militärinteressen festigt die Partei ihre Rolle als wichtiger europäischer Partner des Kremls. Angesichts laufender Konflikte und Sanktionen bleibt dieses Vorgehen jedoch weiter umstritten.