Apotheken-Notdienst: Hoch belastet in den Feiertagen
Apothekensterben in Deutschland: Patienten haben immer weniger Optionen für Notfallversorgung
In den letzten zehn Jahren hat sich das Netz der Apotheken in Deutschland spürbar ausgedünnt – besonders in ländlichen Regionen sind die Schließungen zu spüren. Die sinkende Zahl an Standorten belastet die Notfallversorgung: Längere Anfahrtswege und strengere Lagerkontrollen prägen inzwischen den Alltag.
In manchen Gebieten ist der Rückgang dramatisch. Im Landkreis Berchtesgadener Land hat sich die Zahl der Apotheken halbiert, nur noch 19 sind übrig. Bayern schneidet im Vergleich etwas besser ab: Hier versorgt im Schnitt eine Apotheke rund 4.500 Einwohner – die viertbeste Quote bundesweit. Doch insgesamt liegt Deutschland im EU-Vergleich nur auf Platz 21, mit 21 Apotheken pro 100.000 Einwohner – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 32.
Da immer weniger Apotheken nachts geöffnet haben, müssen die verbliebenen Betreiber ihr Sortiment anpassen. Antibiotika, Schmerzmittel und Nasensprays werden in größeren Mengen vorrätig gehalten, um Verzögerungen während der Notdienste zu vermeiden. Dennoch kommt es immer wieder zu Engpässen, sodass Patienten – besonders an Feiertagen, wenn viele Apotheken geschlossen sind – weite Strecken zurücklegen müssen. Auch Großhändler haben ihre Lieferbedingungen angepasst: Noweda etwa liefert Standard-Notfallbestellungen, die nach 13:30 Uhr an Wochenenden oder Feiertagen eingehen, erst am nächsten Werktag aus. Für echte Notfälle gibt es jedoch einen speziellen Kurierdienst, der zwischen 17 und 18 Uhr an diesen Tagen „Notfalldienst“-Sendungen übernimmt. Optimierte Lieferrouten und Reserve-Lieferungen der Hersteller sind mittlerweile unverzichtbar, um den Betrieb außerhalb der regulären Öffnungszeiten aufrechtzuerhalten.
Der Schwund an Apotheken setzt die Notfallversorgung unter enormen Druck. Patienten auf dem Land müssen für grundlegende Medikamente oft weitere Wege in Kauf nehmen, während das Personal die Lagerbestände genau kalkulieren muss, um Versorgungslücken zu vermeiden. Da keine Region besonders stark betroffen ist, liegt die Herausforderung nun darin, Logistik und Lieferketten so umzugestalten, dass die wachsenden Lücken geschlossen werden können.