Bayerische Kommunen erhalten schärfere Waffen gegen Hass und Extremismus
Johanna MüllerWie Gemeinden in Zukunft die Zügel straffer halten können - Bayerische Kommunen erhalten schärfere Waffen gegen Hass und Extremismus
Wie Kommunen künftig strenger durchgreifen können
Bayerische Städte und Gemeinden verfügen nun über schärfere Instrumente, um Störungen und Hassrede einzudämmen. Eine aktuelle Gesetzesänderung ermöglicht es ihnen, unbotmäßige Gemeinderäte mit Bußgeldern zu belegen und Veranstaltungen mit extremistischem oder antisemitischem Inhalt zu verbieten. Die neuen Regelungen wurden im Landtag mit breiter Mehrheit beschlossen.
Die überarbeitete Gemeindeordnung räumt den lokalen Behörden zwei zentrale Befugnisse ein: Sie können gegen Gemeinderäte, die schwerwiegende Störungen verursachen, Geldstrafen verhängen – 500 Euro beim ersten Verstoß und bis zu 1.000 Euro bei Wiederholungstat. Voraussetzung ist ein Mehrheitsbeschluss im Gemeinderat sowie die abschließende Genehmigung durch den jeweiligen Vorsitzenden.
Zudem dürfen Kommunen die Nutzung öffentlicher Flächen für Veranstaltungen verweigern, die die NS-Herrschaft verherrlichen, verharmlosen oder billigen. Gleiches gilt für Zusammenkünfte, von denen antisemitische Inhalte ausgehen. Sowohl die Bußgelder als auch die Veranstaltungsverbote können vor den Verwaltungsgerichten angefochten werden, was rechtliche Auseinandersetzungen nach sich ziehen könnte.
Die Novelle erhielt Zustimmung von CSU, Freien Wählern, Grünen und SPD. Vertreter der Landesregierung betonen, dass es darum gehe, den Kommunen klarere Handhabe zur Aufrechterhaltung der Ordnung und zur Verhinderung extremistischer Aktivitäten zu geben.
Das Gesetz tritt sofort in Kraft, doch seine Auswirkungen werden sich erst mit der Zeit zeigen. Nun müssen die Gemeinderäte entscheiden, wie sie die neuen Strafen und Veranstaltungsbeschränkungen anwenden. Mögliche Verfassungsbeschwerden und weitere Klagen könnten die Praxis zusätzlich prägen.