BMW startet mit Neue Klasse in München durch – und bereitet Führungswechsel vor
Ben SchmidtBMW startet mit Neue Klasse in München durch – und bereitet Führungswechsel vor
BMW hat sein Münchner Werk umfassend modernisiert, um dort auf der neuen Plattform Neue Klasse Elektrofahrzeuge zu produzieren. Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen einen Führungswechsel vorbereitet: Milan Nedeljković soll den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Oliver Zipse ablösen. Zipse, der seine Amtszeit über das übliche Renteneintrittsalter hinaus verlängert hatte, verlässt BMW nach mehr als 35 Jahren im Konzern.
Zipse betonte wiederholt die zentrale Bedeutung des Münchner Standorts für die Zukunft von BMW. Da das Werk mitten in der Stadt liegt, argumentierte er, dass eine Verlagerung der Produktion an andere Standorte das Risiko berge, qualifizierte Fachkräfte und Kapazitäten zu verlieren. Zudem hob er die Rolle des Werks bei der Entwicklung der neuen elektrischen 3er-Reihe hervor, die deutsche Ingenieurskunst mit amerikanischer Technologie und chinesischen Komponenten verbindet.
Das Unternehmen hat seine Batteriestrategie neu ausgerichtet und setzt nicht mehr ausschließlich auf asiatische Zulieferer wie CATL. Stattdessen arbeitet BMW nun mit dem schwedischen Hersteller Northvolt zusammen, der ab 2025 jährlich Zellen mit einer Kapazität von 46 GWh liefern soll, sowie mit dem US-Unternehmen Solid Power, das ab 2027 Festkörperbatterien bereitstellen wird. Eine Partnerschaft mit Intel sichert zudem die Halbleiterversorgung und gibt BMW mehr Kontrolle über die Lieferkette.
Trotz dieser Veränderungen relativierte Zipse Bedenken hinsichtlich der Abhängigkeit von chinesischen Batterien. Er warnte, dass Europas Pläne zum Verbot von Benzin- und Dieselmotoren die Abhängigkeit von anderen Regionen sogar noch verstärken könnten. Gleichzeitig kritisierte er das mangelnde Vertrauen in Deutschland als Wirtschaftsstandort und forderte Unternehmer auf, mehr Eigeninitiative zu zeigen.
Sein Nachfolger, Milan Nedeljković, leitet derzeit die Produktion und wird bald die Konzernführung übernehmen. Beide stehen vor Herausforderungen durch Branchenumbrüche, geopolitische Spannungen und Handelsstörungen. Dennoch bleibt Zipse zuversichtlich, dass BMW trotz der Schwierigkeiten der europäischen Automobilindustrie wettbewerbsfähig bleiben wird.
Das Münchner Werk von BMW ist nun bereit, auf der Neue-Klasse-Plattform Elektrofahrzeuge zu produzieren. Das Unternehmen hat seine Lieferkette durch neue Partnerschaften gestärkt und bereitet sich gleichzeitig auf den anstehenden Führungswechsel vor. Nedeljković übernimmt das Ruder in einer Phase, in der sich die Branche wandelt und globale Marktbedingungen Druck ausüben.