Die Padua – vom Windjammer zur russischen Legende Krusenstern
Die Padua, ein stahlrumpfiger Viermastbark, lief 1924 unter den schwierigen Nachkriegsbedingungen in Hamburg vom Stapel. Gebaut für die Reederei F. Laeisz, wurde sie zu einem Schlüsselschiff der deutschen Windjammerflotte und transportierte Getreide über die Ozeane, als wirtschaftliche Zwänge kostengünstige Lösungen erforderten. Heute existiert sie als russisches Schulschiff Krusenstern – der letzte der legendären Flying P-Liner, der noch immer zu Wasser ist.
Für einen Schriftsteller war das Meer mehr als nur Kulisse – es prägte Erinnerungen, Musik und eine lebenslange Faszination. Aufgewachsen in der Nähe der Howaldtswerke-Werft in Kiel, beobachtete er, wie Schiffe ein- und ausliefen, ihre Anwesenheit Wehmut und Staunen weckte. Die Padua selbst wurde später zum Symbol für Abenteuer, verewigt in Film und Lied, und verband so Geschichte, Kino und persönliche Nostalgie.
Die Padua nahm ihren Dienst zu einer Zeit auf, als die deutsche Handelsflotte auf windgetriebene Schiffe setzte, um nach dem Ersten Weltkrieg Kosten zu sparen. Konzipiert für Massengutfracht, brachte sie Weizen aus Australien und Südamerika nach Europa – Teil einer schwindenden Tradition, bevor motorisierte Schiffe die Überhand gewannen. Ihr robuster Rumpf und die vier Masten machten sie zu einem herausragenden Schiff der Flying P-Liner, einer Flotte, die für Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit bekannt war.
Jahrzehnte später lebte das Erbe des Schiffs auf unerwartete Weise weiter. Im Film Große Freiheit Nr. 7 von 1944 spielte Hans Albers – der "blonde Hans" – den Matrosen Hannes Kröger, der sich nach dem weiten Meer sehnt. Seine letzte Fahrt an Bord der Padua festigte den Platz des Schiffs in der Popkultur. Albers' Seemannslieder, die der Autor oft bei Familienausflügen hörte, verwischten die Grenzen zwischen Fiktion und Realität.
Auch das eigene Leben des Autors war von maritimen Einflüssen durchdrungen. Als Junge in Kiel rannte er zum Hafen, wenn fremde Schiffe einliefen – ihre unbekannten Flaggen und Takelagen weckten seine Neugier. In der Nähe brodelte es in den Howaldtswerken, wo der tägliche Anblick der Schiffe zu einem Spektakel wurde. Später sang er mit Freunden auf Hochseeschiffen Einmal noch nach Bombay, Freddy Quinns Klassiker, dessen Text seine eigene romantische Vorstellung vom Leben zur See widerspiegelte.
Musik verband all diese Fäden. Das Meer hatte schon lange Poplieder inspiriert, seine Weite diente als Metapher für Freiheit und Sehnsucht. Im Kirchenchor des Autors sang ein tiefstimmiger Bass, ein "Knurrhahn", der auch dem Lotsen-Gesangverein angehörte – einem 1929 gegründeten Lotsenchor. Ihre Harmonien, wie das Knarren eines Schiffsrumpfs, trugen den Klang von Kiels maritimer Seele in sich.
Die Padua fährt heute unter russischer Flagge, ihr ursprünglicher Name durch Krusenstern ersetzt, doch ihre Geschichte bleibt unversehrt. Sie ist die letzte Überlebende einer Ära, in der Windjammer die Meere beherrschten – ein greifbares Bindeglied zu Deutschlands seemännischer Vergangenheit. Für diejenigen, die mit ihrer Legende aufwuchsen – durch Filme, Lieder oder Kindheitsbesuche am Kai –, ist das Schiff mehr als nur Stahl und Segel. Es ist ein Gefäß der Erinnerung, das das Gewicht der Geschichte und die leichteren, nachhallenden Klänge eines längst verklungenen Seemannslieds in sich trägt.






