19 December 2025, 15:42

Die Wahrheit

Menschen, die auf einer Straße mit einem Kreuz und Blumensträußen in der Mitte stehen, Autos im Hintergrund und Gebäude, Bäume und Straßenlaternen weiter hinten.

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Allgegenwärtig in Bayern: Vor Weihnachten ist das Gedicht „Heilige Nacht“ des noch immer populären Antisemiten Ludwig Thoma in aller Munde.

18. Dezember 2025, 23:06 Uhr

Die Debatte über die Umbenennung von Straßen und Schulen, die mit Ludwig Thoma verbunden sind, spaltet Bayern. Der Schriftsteller, vor allem bekannt für sein antisemitisches Gedicht „Heilige Nacht“, bleibt trotz seiner Beliebtheit als weihnachtliche Tradition eine umstrittene Figur. Kritiker werfen ihm vor, Hass zu verbreiten, während Befürworter auf die Bewahrung der regionalen Identität und des kulturellen Erbes pochen.

Ludwig Thomass Gedicht „Heilige Nacht“ aus dem Jahr 1906 wird noch heute in ganz Bayern zu Weihnachten vorgetragen. Es schildert die beschwerliche Reise von Josef und Maria nach Bethlehem, doch sein Autor war berüchtigt für antisemitische Tiraden in den „Miesbacher Anzeigen“. Trotzdem ziehen die jährlichen Rezitationen des Schauspielers Enrico de Paruta in München, Ingolstadt und Regensburg jedes Mal zahlreiche Zuschauer an.

Viele Bayern haben das Gedicht längst verdrängt oder ignoriert – es gilt als repetitiv und ermüdend. Doch das eigentliche Problem liegt in Thomass umfassendem Erbe. Straßen, Schulen und öffentliche Plätze in Oberbayern tragen seinen Namen, was eine Umbenennung zu einer logistischen und politischen Herausforderung macht. Widerstand kommt von konservativen Politikern, langjährigen Anwohnern – darunter auch Nachfahren Thomass – sowie Kulturverbänden. Sie argumentieren, dass eine Streichung seines Namens Geschichte tilgt, öffentliche Räume politisiert und den Alltag von Anwohnern und Unternehmen durcheinanderbringt. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnt es ebenfalls ab, eine nach Thoma benannte Straße umzubenennen, und betont die Notwendigkeit, das kulturelle Gedächtnis zu bewahren.

Der Streit zeigt den Konflikt zwischen der Auseinandersetzung mit Antisemitismus und der Bewahrung von Tradition. Thomass Name prangt weiterhin an Gebäuden und Straßen, während sein Gedicht als fester Bestandteil der Weihnachtsbräuche bleibt. Bisher gab es keine offiziellen Änderungen – die Frage nach seinem Erbe bleibt ungelöst.