EU kontert scharf gegen US-Kritik: "Kein zivilisatorischer Untergang"

Ben Schmidt
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Ein Plakat mit einem amerikanischen Flaggenmast vor einem bewölkten Himmel, mit der Aufschrift 'Viele Menschen Ein Nation, Lasst uns vereinen, um Amerika zu amerikanisieren.'Ben Schmidt

EU kontert scharf gegen US-Kritik: "Kein zivilisatorischer Untergang"

Europäische Führungskräfte haben sich gegen jüngste Kritik der USA an ihrer Politik zur Wehr gesetzt. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wies die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas Behauptungen zurück, Europa stehe vor einem "zivilisatorischen Untergang". Die Äußerungen erfolgten, nachdem die nationale Sicherheitsstrategie Washingtons die europäische Haltung zu Migration, Handel und demografischen Trends infrage gestellt hatte.

Vier große EU-Staaten – Deutschland, Frankreich, Spanien sowie die EU-Institutionen in Brüssel – haben inzwischen offiziell auf die US-Vorwürfe reagiert. Ihre Stellungnahmen reichten von klarer Ablehnung bis zu scharfer Verurteilung dessen, was sie als unbegründete Angriffe bezeichneten.

Kallas trat einen Tag nach dem Auftritt des US-Außenministers Marco Rubio auf derselben Konferenz ans Podium. Zwar betonte Rubio, die USA strebten kein Ende der transatlantischen Beziehungen an, machte aber deutlich, dass Washington seine Position zu Migration, Handel und Klimapolitik weiter vehement vertreten werde. Kallas hingegen wies das, was sie als "Europa-Bashing" bezeichnete, zurück und verteidigte die Rolle des Kontinents bei der Förderung der Menschenrechte und des globalen Fortschritts.

Sie widersprach direkt den in der US-Strategie geäußerten Behauptungen, Europa schwäche sich durch Einwanderung und niedrige Geburtenraten selbst. "Entgegen dem, was manche behaupten, steht das woke, dekadente Europa nicht vor einem zivilisatorischen Untergang", erklärte Kallas. Zudem verwies sie auf das anhaltende Interesse an einer EU-Mitgliedschaft und nannte Kanada als Beispiel für Länder, die sich weiterhin mit europäischen Werten verbünden wollten.

Der britische Premierminister Keir Starmer unterstützte diese Haltung und rief Europa dazu auf, standhaft für den Schutz "der lebendigen, freien und vielfältigen Gesellschaften, die wir vertreten", einzutreten. Unterdessen veröffentlichten Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Spaniens und Brüssels eigene Gegenstellungen. Berlin und Brüssel nannten die US-Vorwürfe haltlos, Paris bezeichnete sie als "Einschüchterung und Nötigung", und Madrid legte offiziellen Protest ein.

Die EU bekräftigte ihr Bekenntnis zu Meinungsfreiheit, Klimaschutz und freiem Handel – allesamt Politikbereiche, die in der US-Strategie kritisiert worden waren. Auch digitale Regulierungen wie der Digital Services Act (DSA), den Washington als Zensur betrachtet, wurden als notwendige Maßnahmen verteidigt.

Die Wortgefechte unterstreichen die wachsenden Spannungen aufgrund politischer Differenzen zwischen den USA und Europa. Zwar betonte Rubio, Washington wünsche keinen Bruch der transatlantischen Beziehungen, doch die entschlossenen Reaktionen der EU signalisieren, dass man in zentralen Prinzipien nicht nachgeben wird. Die Debatte dreht sich nun darum, ob beide Seiten ihre konkurrierenden Vorstellungen zu Migration, Handel und globaler Governance in Einklang bringen können.

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