Fracking-Streit in Reichling: Bürgermeister will Gasförderung mit 22-Prozent-Abgabe stoppen
Ben SchmidtFracking-Streit in Reichling: Bürgermeister will Gasförderung mit 22-Prozent-Abgabe stoppen
Die Debatte über die Gasförderung in Reichling, Bayern, hat erneut an Schärfe gewonnen, nachdem lokale Politiker und Anwohner über Pläne zur Erschließung von Fracking-Gas aneinandergerieten. Albert Thurner, Bürgermeister von Vilgertshofen, setzt sich für eine Abgabe von 22 Prozent auf die Förderung ein und warnt, dass der Freistaat das Gas sonst "praktisch verschenke". Seine Äußerungen folgen anhaltendem Widerstand von Bürgern und Umweltschutzgruppen, die eine Verunreinigung des Grundwassers und seismische Aktivitäten befürchten.
Seit 2023 haben die Proteste gegen Fracking in Reichling an Fahrt aufgenommen. Die lokale Bürgerinitiative Reichling Gegen Fracking organisierte gemeinsam mit Verbänden wie dem BUND und Greenpeace 2024 Demonstrationen. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft lehnte nach rechtlichen Auseinandersetzungen Ende 2025 eine Erlaubnis zur Erkundung ab. 2026 beschloss der Bezirkstag schließlich ein Fracking-Verbot für ganz Oberbayern.
Kürzlich besuchten Carmen Wegge und Christiane Feichtmeier (SPD) die geplante Bohrstelle, um sich ein Bild von den Bedenken zu machen. Wegge plädierte für einen stärkeren Fokus auf erneuerbare Energien, betonte aber, dass bei einer Gasförderung unbedingt eine Abgabe erhoben werden müsse. Feichtmeier forderte, die Sorgen der Anwohner ernst zu nehmen.
In einer Sitzung des Landkreistags Landsberg kritisierte Thurner, dass in einem neuen Beschluss keine Förderabgabe vorgesehen sei. Eine Gebühr von 22 Prozent würde das Projekt seiner Meinung nach unwirtschaftlich machen und die Bohrungen damit effektiv stoppen. Ute Steininger von der Bürgerinitiative Reichling-Ludenhausen äußerte ebenfalls die lokalen Ängste vor Umweltschäden und Gesundheitsrisiken.
Als Alternativen zum Fracking wurden der Ausbau von Solar- und Windenergieprojekten, ein landesweites Fracking-Moratorium – unterstützt von Grünen-Politikern – sowie Pilotprojekte zur Geothermie in Nachbarorten vorgeschlagen. Einige Umweltverbände fordern zudem Investitionen in eine Wasserstoffinfrastruktur als sauberere Lösung.
Der Streit um die Gasförderung in Reichling bleibt ungelöst: Während die Politiker über wirtschaftliche Vorteile und ökologische Risiken uneins sind, könnte Thurners Abgabenmodell das Projekt blockieren. Bürger und Aktivisten drängen unterdessen auf erneuerbare Alternativen. Die endgültige Entscheidung wird zeigen, ob die Bohrungen vorangetrieben oder zugunsten anderer Energiequellen aufgegeben werden.