Griesens Winterbahn droht die Streichung – Dorfbewohner kämpfen um ihre Lebensader
Johanna MüllerGriesens Winterbahn droht die Streichung – Dorfbewohner kämpfen um ihre Lebensader
Bewohner des bayerischen Dorfes Griesen protestieren gegen geplante Streichung des Winterbahnverkehrs ab Ende 2027
Die Einwohner von Griesen, einem kleinen Ort im bayerischen Oberland, wehren sich gegen Pläne, den Zugverkehr in den Wintermonaten ab spätem 2027 einzustellen. Die Bayerische Oberlandbahn (BEG) hat beschlossen, den Halt am Bahnhof Griesen außerhalb der Sommermonate zu streichen – eine Entscheidung, die bei den Anwohnern, die auf die Verbindung angewiesen sind, auf scharfe Kritik stößt. Rund 70 Menschen leben in dem Gebiet, viele von ihnen nutzen den Zug für wichtige Fahrten wie Einkäufe oder Arztbesuche.
Die BEG begründet die Änderung mit geringen Fahrgastzahlen – im Schnitt steigen täglich nur 17 Personen ein – sowie mit engen Fahrplanzwängen. Doch die Entscheidung hat bei lokalen Vertretern heftigen Widerspruch ausgelöst. Das Rathaus von Garmisch-Partenkirchen sowie der Bürgermeister setzen sich für einen ganzjährigen Betrieb ein und warnen, dass die Streichung die Bewohner isolieren werde.
Auch der örtliche SPD-Verband hat sich zu Wort gemeldet und die Kommunikation der BEG als verwirrend und mangelhaft kritisiert. Bürgermeisterkandidat Peter Schimpf unterstützt die Protestierenden und fragt, warum das Unternehmen die Gemeinde nicht offener einbezogen habe. Die BEG hingegen betont, man habe Gespräche mit dem Gemeinderat geführt und sei bereit, den Plan erneut zu prüfen, sollten sich neue Erkenntnisse oder Rahmenbedingungen ergeben.
Angeführt werden die Proteste vor allem von drei Frauen aus dem Dorf. Sie argumentieren, dass der Zug für sie eine Lebensader sei – besonders im Winter, wenn Straßen oft schwer passierbar sind. Laut aktuellem Stand der BEG soll der Bahnhof nur noch in den Sommermonaten bedient werden, und zwar ab Ende 2027.
Der Streit verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Kosteneffizienz und der Anbindung ländlicher Regionen. Da noch keine Lösung in Sicht ist, kämpfen die Bewohner weiter für eine Rücknahme der Entscheidung. Die Bereitschaft der BEG zur erneuten Prüfung lässt zwar eine geringe Chance auf Kompromiss erkennen, doch die Zukunft des Winterbetriebs in Griesen bleibt vorerst ungewiss.