04 February 2026, 05:07

Licht für alle: Wie ein Gottesdienst in Tiefenort die Kirche neu erfindet

Eine Menschenmenge bei einem Konzert mit beleuchteten Gebäuden und Masten im Hintergrund, unter einem Himmel voller farbiger Feuerwerke.

Licht für alle: Wie ein Gottesdienst in Tiefenort die Kirche neu erfindet

Licht für alle: Ein voller Erfolg in Tiefenort

Die St.-Petri-Kirche in Tiefenort war am 1. Februar bis auf den letzten Platz gefüllt – beim Gottesdienst Licht für alle trotz eisiger Temperaturen und eines vollen Terminkalenders im Dorf. Der Abend verband Musik, Besinnung und ein Kerzenritual in einem Rahmen, der weit entfernt von traditioneller Kirche war.

Der Gottesdienst brach mit Konventionen und schuf eine intime, clubähnliche Atmosphäre. Hunderte Lichter warfen ein warmes Glimmen über den Raum, während die sonst übliche Orgelmusik fehlte. Die Besucher lauschten einer Mischung aus Klängen – vom ergreifenden Kyrie eleison über Beatles-Hits wie Here Comes the Sun bis zu ostdeutschen Rockballaden wie Die Sucher. Die Band The Quiet Side spielte auf selbstgebauten Instrumenten – Gitarre, Cajón und Mundharmonika –, begleitet von Pastor Thomas Volkmann am Keyboard.

Strukturell als eine Reise angelegt, führte der Gottesdienst die Gemeinde mit szenischen Elementen vom Alltag in die Welt der Offenbarung des Johannes. In seiner Predigt deutete Pastor Volkmann die Vision Jesu als ein Feuer, das in den Menschen brennt und sie durch die Dunkelheit leitet – nicht als ein schwaches Licht unter einer Tür.

Der emotionale Höhepunkt war ein Kerzenritual: Die Besucher entzündeten Flammen in einem großen schmiedeeisernen Fisch, jede als Symbol für persönliche Hoffnung oder stille Gebete. Viele erhielten auch individuelle Segensworte, was ein Gefühl der Verbundenheit schuf. Danach blieben die Menschen noch lange draußen stehen, plauderten und vertieften die Gemeinschaft.

Besonders überraschend war der hohe Anteil junger Teilnehmer. Der Erfolg des Abends spiegelt einen größeren Trend in deutschen Kirchen wider: Während traditionelle Liturgien in manchen Regionen in den letzten fünf Jahren um bis zu 20 Prozent zurückgingen, gewinnen moderne Formate an Beliebtheit – etwa Taizé-Gottesdienste, digitale Andachten oder thematische Abendgebete.

Der Licht-für-alle-Gottesdienst verband Musik, Erzählungen und Rituale zu einem Erlebnis, das ein vielfältiges Publikum anspricht. Die offene, persönliche Gestaltung ließ die Besucher ermutigt zurück. Die große Resonanz deutet auf eine wachsende Nachfrage nach innovativen Gottesdienstformen in Deutschlands Kirchen hin.