12 February 2026, 16:38

"Mainz bleibt Mainz" bricht mit Tradition: Erste Frau führt durch die Karnevals-Revue

Plakat für ein Festival in München mit einem Gemälde einer Frau mit menschlichem Gesicht, umgeben von anderen Menschen und Bäumen mit Text.

Frauen-Debüt bei "Mainz bleibt Mainz" - "Mainz bleibt Mainz" bricht mit Tradition: Erste Frau führt durch die Karnevals-Revue

Die 71. Ausgabe von "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" hat mit der Ernennung der ersten Protokollchefin in der fast 200-jährigen Geschichte der Veranstaltung Traditionen gebrochen. Christina Grom übernahm die Rolle und brachte scharfe politische Satire auf die Bühne. Die Revue, ein fester Bestandteil des Meenzer Fassenacht-Karnevals, verabschiedete sich zudem von Langzeit-Moderator Andreas Schmitt, der in seiner letzten Vorstellung als "Hoher Altardiener" des Mainzer Doms auftrat.

Zum ersten Mal seit 197 Jahren stand mit Christina Grom eine Frau an der Spitze des Protokolls. Sie nutzte ihre Position, um über die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu scherzen, und schlug ein Losverfahren für die Rekrutierung vor. Auch Donald Trump nahm sie aufs Korn: Die Gutenberg-Bibel – eine historische Verbindung zwischen Mainz und Washington – könne dazu dienen, "seinen aufgeblasenen Kopf zu entleeren".

Die Veranstaltung blieb ihrem Tradition politischer Satire treu und nahm dabei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sowie den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ins Visier. Über die Jahrzehnte hat sich die Revue vom Spott über deutsche Politiker wie Helmut Kohl hin zu globalen Themen und Persönlichkeiten gewandelt – von Klimawandel bis Populismus.

Andreas Schmitt, der trotz einer gesundheitsbedingten Pause 2025 für seinen letzten Auftritt als "Hoher Altardiener" zurückkehrte, forderte spielerisch eine Papstin und malte sich "Leo XIV." aus, die Urbi et Orbi im Zeichen der Gleichberechtigung segnet. Unterdessen feierte Jürgen Wiesmann sein 25-jähriges Jubiläum als Ernst Lustig, eine beliebte Karnevalsfigur. Schmitt kritisierte zudem die Kardinäle Müller und Woelki und warf ihnen Heuchelei vor.

Der scharfe, respektlose Ton der Revue ist seit ihren Anfängen in den 1950er-Jahren im Mainzer Alten Postamt unverändert geblieben. Die diesjährige Ausgabe führte diese Tradition fort und verband lokalen Humor mit globaler politischer Kommentierung.

Die 71. "Mainz bleibt Mainz"-Revue endete mit einer Mischung aus historischen Premieren und bewährten Bräuchen. Groms Ernennung zur Protokollchefin markierte einen Wendepunkt in der fast 200-jährigen Karnevalsgeschichte. Gleichzeitig ehrte die Veranstaltung Schmitts letzten Auftritt und sorgte dafür, dass die Satire und der Glanz des Meenzer Fassenacht lebendiger denn je bleiben.