Mainzer Fasching ehrt den "Dummen August" – ein Clown, der mit Scheitern triumphiert

Ben Schmidt
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Ein Papier mit der Überschrift "Carnivals Parisiens par Louis Morin" in fetter Schrift, das farbenfrohe, detaillierte Entwürfe von Menschen in bunten Faschingskostümen und Masken zeigt.Ben Schmidt

Mainzer Fasching ehrt den "Dummen August" – ein Clown, der mit Scheitern triumphiert

Der Mainzer Fasching belebt alte Tradition wieder: Der "Dumme August" – der tollpatschige Clown, der grandios scheitert

In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Martin Malcherek, einen linksgerichteten Stadtrat, der für seinen Scharfsinn, seinen Mut und seine Weigerung, sich anzupassen, bekannt ist. Der Preis ehrt den Narren, der es wagt, verletzlich zu sein und sich der Lächerlichkeit auszusetzen – ganz im Geiste der ältesten Faschingstraditionen.

Die Figur des Dummen August geht auf das Jahr 1839 zurück, als August Nacke, ein Setzerlehrling, zum ersten Stadtnarren wurde. Seine Possen während einer fürstlichen Versammlung verbanden den Humor mittelalterlicher Hofnarren mit rheinischen Faschingsbräuchen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Figur zu einem Symbol für schlichte Einfalt und beißende Satire.

Dirk Loomans, Präsident des Faschings Club Kastel (FCC), überreichte die Auszeichnung in der Rolle des Bajazzo – des würdevollen weißen Clowns. Er betonte, dass der Fasching zwar kluge Narren liebt, aber den Dummen August vermisst habe, der Scheitern und Spott annimmt. Loomans malte sich sogar einen endlosen Rosenmontag aus, an dem das Geld in rauschendem Fest verschwendet wird – frei für alle, ohne Barrieren oder Gebühren.

Der Preisträger Malcherek wurde für seine unbequemen Fragen und seine kompromisslose Haltung gelobt. Christian Vahl, Vorsitzender von Rettet das Römische Theater, erklärte, Clowns seien seit jeher Wahrheitsverkünder und verkörperten die ursprüngliche Rolle des Faschingsnarren. Malcherek selbst wünschte sich ein Land, in dem der Fasching nie endet – mit Straßen voller phantastischer Kostüme und ewig wehenden Fahnen.

Die Auszeichnung unterstreicht die doppelte Natur des Faschings: zwischen schlauen Spöttern, die die Welt kritisieren, und tollpatschigen Narren, die trotzdem tiefere Wahrheiten offenbaren. Beide Rollen halten die Tradition am Leben und verbinden Lachen mit kühnen Ideen.

Mit der Rückkehr des Dummen August besinnt sich der Fasching auf seine Wurzeln und ehrt jene, die mit Humor und Mut Normen herausfordern. Malerekers Sieg zeigt, wie der Fasching zum Fragen stellen, Feiern und Verbinden beiträgt. Die Tradition blickt nun nach vorn – und stellt sicher, dass die Stimme des Narren, ob scharfzüngig oder stolpernd, im Mittelpunkt der Mainzer Festlichkeiten bleibt.

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