Markus Söder steht vor dem Stockacher Narrengericht – eine 675 Jahre alte Tradition
Hannah BöhmFasnacht-Einladung: Söder auf die Narrenschanz gebeten - Markus Söder steht vor dem Stockacher Narrengericht – eine 675 Jahre alte Tradition
Eine langjährige Karnevalstradition rückt diese Woche einen prominenten Politiker in den Fokus: Markus Söder, Bayerns Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender, muss sich am 12. Februar vor dem Stockacher Narrengericht verantworten. Die Veranstaltung ist Teil des schwäbisch-alemannischen Karnevals, ein Brauch mit fast 675 Jahren Geschichte in der Bodensee-Region.
Die "Verhandlung" findet am Schmotzigen Dunschtig (Fetter Donnerstag), eine Woche vor dem Rosenmontag, statt. Vor Publikum werden die Narren Söder symbolisch vor Gericht stellen – eine Tradition, die in der Vergangenheit bereits Persönlichkeiten wie Angela Merkel, Wolfgang Kubicki und Karl Lauterbach auf die Anklagebank brachte.
Söder ist erst der zweite amtierende bayerische Ministerpräsident, der sich dem Spott der Narren stellt – der erste war Franz Josef Strauß im Jahr 1979. Seine Auswahl in diesem Jahr ist kein Zufall: Die Veranstalter wählten ihn bewusst, weil er bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März nicht auf dem Stimmzettel stehen wird. Das Stockacher Narrengericht ist seit dem 14. Jahrhundert fester Bestandteil der örtlichen Faschingsfeiern. Jährlich werden hier Persönlichkeiten in einem scheinernen Prozess "abgeurteilt" – eine Mischung aus Satire und regionalem Brauchtum.
Die Veranstaltung findet in Stockach im Landkreis Konstanz statt, wo das Gericht seit Jahrhunderten tagt. Söders Auftritt führt eine Tradition fort, die politischen Humor mit kulturellem Erbe verbindet. Der Prozess bleibt eine der markantesten Eigenheiten des schwäbisch-alemannischen Karnevals.