Merz’ Schuldenbremse-Reform spaltet Ökonomen: Droht Deutschland eine Schuldenfalle bis 2050?

IMK warnt vor einer Verschuldungsquote von 100 Prozent aufgrund von Ausnahmen von der Schuldenbremse - Merz’ Schuldenbremse-Reform spaltet Ökonomen: Droht Deutschland eine Schuldenfalle bis 2050?
Die bürgerlich-konservative Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit der Ausarbeitung von Reformen der deutschen Schuldenbremse begonnen. Die geplanten Änderungen zielen darauf ab, die Kreditaufnahmegrenzen zu überarbeiten, stoßen jedoch bereits auf scharfe Kritik. Ökonomen warnen, dass eine Ausnahmeregelung für Verteidigungsausgaben die Staatsverschuldung bis zur Mitte des Jahrhunderts auf gefährliche Höhen treiben könnte.
Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) äußert Bedenken gegen die Pläne der Regierung, Ausgaben für Verteidigung und Sicherheit von den Schuldenregeln auszunehmen. Laut ihrer Analyse könnte die dauerhafte Freistellung dieser Posten vom Schuldenbremsen-Mechanismus das Verhältnis der Staatsverschuldung zur Wirtschaftsleistung bis 2050 auf fast 100 Prozent ansteigen lassen – gegenüber etwa 65 Prozent heute. Das Institut argumentiert, dass Militärinvestitionen im Gegensatz zu Ausgaben für Infrastruktur oder Klimaprojekte kaum langfristiges Wirtschaftswachstum fördern.
Das IMK betont zudem einen zentralen Unterschied zwischen zwei Ausgabenkategorien: Während der staatliche Sonderfonds für Klima- und Infrastrukturprojekte – finanziert über Kredite – nur vorübergehend und kontrolliert auf die Schuldenlast wirkt, würde die geplante Ausnahme für Verteidigung eine dauerhafte Kreditlücke schaffen. Berechnungen des Instituts zufolge könnte eine vollständige Umwidmung des Sonderfonds in zusätzliche Investitionen das BIP-Wachstum bis Mitte der 2040er-Jahre um 1,4 Prozent steigern. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, kritisierte die Reform als Fehlpriorisierung zugunsten der Verteidigung auf Kosten produktiver Investitionen. Er forderte, nur solche Staatsausgaben langfristig über Schulden zu finanzieren, die nachweislich wirtschaftliche Vorteile bringen. Als Alternative schlug das Institut eine einmalige Vermögensabgabe auf große Privatvermögen vor, um die steigenden Verteidigungskosten zu decken, ohne die Haushaltsdisziplin zu untergraben.
Bisher ist unklar, welche Expertengremien oder Kommissionen die endgültigen Reformvorschläge mitgestalten werden. Die Arbeiten an der Verfassungsänderung begannen ohne öffentlich benannte Beratungsinstanz, was Fragen zur konkreten Ausgestaltung der Neuregelungen aufwirft.
Die Schuldenbremsen-Reform bleibt ein umstrittenes Thema: Ökonomen warnen vor langfristigen Risiken, falls Verteidigungsausgaben ausgenommen werden. Ohne strengere Kontrollen könnte die deutsche Schuldenlast in den nächsten drei Jahrzehnten deutlich steigen. Die nächsten Schritte der Regierung werden zeigen, ob die Änderungen Haushaltsverantwortung und Wirtschaftswachstum in Einklang bringen.

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