05 February 2026, 00:40

München misst digitale Souveränität mit neuem Ampelsystem gegen IT-Abhängigkeiten

Eine Europakarte mit verschiedenen Farben, die Länder und ihre jeweiligen Abkommen und Organisationen darstellen, begleitet von Text, der die Ländernamen und beteiligten Länder erläutert.

München misst digitale Souveränität mit neuem Ampelsystem gegen IT-Abhängigkeiten

München führt "Digital-Souveränitäts-Index" ein, um Abhängigkeit von ausländischen IT-Anbietern zu messen

München hat einen Digital-Souveränitäts-Index (DSS) eingeführt, um zu bewerten, wie unabhängig seine IT-Systeme von ausländischen Anbietern und rechtlichen Einflüssen sind. Das neue Bewertungssystem, das in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München (TUM) entwickelt wurde, soll die Abhängigkeit von Technologieanbietern aus dem Ausland verringern. Behörden bezeichnen es als einen entscheidenden Schritt, um die digitale Infrastruktur der Stadt zukunftssicher zu gestalten.

Der DSS funktioniert wie eine Ampelkennzeichnung – ähnlich dem Nutri-Score – und unterteilt IT-Dienstleistungen in fünf Kategorien. Er bewertet technische, rechtliche und organisatorische Risiken, etwa Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern (Vendor Lock-in), ausländische Rechtshoheiten oder die Nutzung offener Standards. Über einen Fragebogen wird jeder Dienst analysiert und anschließend in Stufen von DSS 1 (höchste Souveränität) bis DSS 5 (geringste Souveränität) eingeordnet.

Ein erster Test mit 194 kritischen kommunalen Anwendungen ergab ein gemischtes Bild: Zwei Drittel erreichten die beiden besten Stufen, während 5 Prozent in DSS 4 und 21 Prozent in die schlechteste Kategorie, DSS 5, fielen. Zu den mit DSS 5 bewerteten Diensten zählten gesetzlich vorgeschriebene E-Vergabeplattformen, zentrale Anwendungen öffentlicher Einrichtungen und Software für elektronische Aktenverwaltung.

Die Stadt plant, den DSS in alle IT-Prozesse und Vergaberegeln zu integrieren. Künftige Verträge sollen strengere Vorgaben für offene Standards enthalten. Dr. Laura Dornheim, Münchens IT-Referentin und Chief Digital Officer, betonte, dass messbare Standards unverzichtbar seien, um die Unabhängigkeit der öffentlichen Verwaltung zu sichern.

Münchens Initiative reiht sich in europaweite Bestrebungen ein, die Abhängigkeit von ausländischen Tech-Konzernen zu verringern. Der Deutsche Bundestag arbeitet daran, die Abhängigkeit von US-Giganten zu reduzieren, während Frankreich mit Visio eine eigene Videokonferenzlösung eingeführt hat. Vergleichbare Souveränitätsbewertungen gibt es in anderen deutschen Städten oder Bundesländern bisher nicht.

Der DSS wird künftig Münchens IT-Entscheidungen prägen – von täglichen Abläufen bis zu großen Beschaffungsvorhaben. Strengere Open-Standard-Vorgaben gelten für alle neuen Verträge. Langfristig soll das System sicherstellen, dass die digitale Infrastruktur der Stadt unter lokaler Kontrolle bleibt und frei von externem rechtlichem oder anbieterseitigem Druck ist.