Nach 164 Jahren schließt die letzte Kohler Buchhandlung für immer ihre Pforten

Elias Braun
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Ein aufgeschlagenes Buch, das eine detaillierte Karte von Bayern zeigt, mit Städten, Dörfern, Flüssen und anderen geographischen Merkmalen beschriftet.Elias Braun

Nach 164 Jahren schließt die letzte Kohler Buchhandlung für immer ihre Pforten

Kohler Buchhandlung schließt nach 164 Jahren für immer

Die traditionsreiche Familienbuchhandlung Kohler, die seit 164 Jahren bestand, hat endgültig ihre Türen geschlossen. Die letzten Filialen in Planegg und Gräfelfing wurden im Februar dichtgemacht – damit endet eine Ära für eine der ältesten Buchhandlungen Deutschlands. Kunden und Anwohner reagierten bestürzt auf die plötzliche Nachricht.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1862 zurück, als die Buchhandlung von der Familie Kohler in Wunsiedel gegründet wurde. Vier Generationen lang blieb der Betrieb in Familienhand. 2001 übernahm Wolfgang Kohler die Standorte in Planegg und Gräfelfing von Wolfgang Pollner und führte sie bis 2019 unter dem Namen Pollners Bücherstube weiter.

Die Schließung folgt auf jahrelange finanzielle Belastungen. Zwar waren die Mieten nicht das Problem – die Gemeinde besaß das Gebäude in Gräfelfing, und der Vermieter in Planegg zeigte sich kulant –, doch der eigentliche Druck kam durch rückläufige Umsätze. Seit dem Jahr 2000 sind die Verkäufe von gedruckten Büchern in München und Oberbayern um 30 bis 40 Prozent eingebrochen, bedrängt durch E-Books, Amazon und Online-Händler wie Thalia.de. Besonders seit 2010 veränderten digitale Medien wie der Kindle und Streaming-Dienste die Lesegewohnheiten grundlegend. Unabhängige Buchhandlungen haben es zunehmend schwer, sich zu behaupten – einige überleben nur noch durch Veranstaltungen oder Nischenangebote.

Lokale Veränderungen verschärften die Lage zusätzlich. Die Schließung des Café Richter in Planegg reduzierte die Laufkundschaft, während Umbauarbeiten im Bürgerzentrum Gräfelfing das Geschäft beeinträchtigten. Trotz seiner Rolle als kultureller Treffpunkt – mit Lesungen und Aktionen – konnte sich die Buchhandlung nicht mehr halten. Geschäftsführer Wolfgang Kohler könnte noch vor Ende der Woche Insolvenz anmelden.

Mit der Schließung entsteht eine Lücke in der Gemeinde, und eine Tradition aus dem 19. Jahrhundert geht zu Ende. Der Verlust spiegelt einen bundesweiten Trend wider: In München gibt es heute weniger als 120 unabhängige Buchhandlungen – 2000 waren es noch rund 150. Für viele bedeutet das Aus der Kohler Buchhandlung das Verschwinden einer geliebten Institution.

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