Oktoberfest-Vergewaltigungsvorwurf gegen "afrikanische Bande" widerlegt
Elias BraunOktoberfest-Vergewaltigungsvorwurf gegen "afrikanische Bande" widerlegt
Behauptung über eine Gruppenvergewaltigung auf dem Oktoberfest durch eine "afrikanische Bande" entlarvt
Eine viral verbreitete Behauptung über eine angebliche Gruppenvergewaltigung auf dem Oktoberfest durch eine "afrikanische Bande" wurde von den Münchner Behörden widerlegt. Die von der Gruppe Truth24 verbreitete Anschuldigung war Gegenstand von Ermittlungen – doch es gab keinerlei faktische Grundlage. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten, dass es weder Beweise für eine Vergewaltigung noch für eine Gruppenvergewaltigung gibt.
Der Fall wirft zudem ein Schlaglicht auf grundlegendere Probleme bei der Erfassung und Meldung von Sexualstraftaten in Deutschland.
Die Münchner Staatsanwaltschaft prüfte den Vorwurf gründlich, fand jedoch keine Hinweise auf eine Gruppenvergewaltigung oder einen versuchten sexuellen Übergriff. Die betroffene US-Amerikanerin konnte sich nicht an den Vorfall erinnern und verzichtete vor ihrer Abreise in die USA auf eine medizinische Untersuchung. Im Zusammenhang mit dem Fall wurde nie ein Tatverdächtiger festgenommen.
Auch die Aussage von Truth24, Gruppenvergewaltigungen würden "hauptsächlich von Muslimen und Afrikanern" begangen, wird durch offizielle Daten widerlegt. Statistiken zeigen, dass Deutsche fast die Hälfte aller Tatverdächtigen in solchen Fällen stellen – und damit keineswegs "selten" vertreten sind, wie die Gruppe behauptete. Weitere häufig genannte Nationalitäten sind Afghanen, Türken, Eritreer und Syrer, ohne dass eine Gruppe die Zahlen dominiert.
Fachleute weisen darauf hin, dass Ausländer in diesen Statistiken häufiger auftauchen, was jedoch eher mit Faktoren wie Alter oder sozioökonomischen Bedingungen zusammenhängt als mit der Nationalität allein. Die Behauptung, es gebe eine eigene Kategorie "Vergewaltigungen im Rahmen von Überfällen", wurde ebenfalls zurückgewiesen – eine solche Klassifizierung existiert in den Polizeistatistiken nicht. Tatsächlich zeigen die Daten zu Vergewaltigungen durch Einzelpersonen, dass Deutsche rund 54,9 Prozent der Tatverdächtigen ausmachen.
Seit 2018 werden Gruppenvergewaltigungen in der Kriminalstatistik nicht mehr gesondert erfasst. Diese Änderung erfolgte im Zuge der Reform des Sexualstrafrechts, die auch die Einstufung von Straftaten veränderte.
Die Ermittlungen zur Oktoberfest-Behauptung wurden ohne Anklage eingestellt. Die Behörden betonten, dass der Fall von Anfang an haltlos war. Unterdessen hält die allgemeine Debatte über Kriminalstatistiken an – mit dem Appell der Behörden, vorsichtig mit pauschalen Aussagen über die Herkunft von Tätern umzugehen.






