Radikale Neuinszenierung: *Salome* an der Komischen Oper Berlin bricht mit Klischees

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Ein Gemälde, das mehrere tanzende Menschen mit Noten oben zeigt.

Radikale Neuinszenierung: *Salome* an der Komischen Oper Berlin bricht mit Klischees

Die Komische Oper Berlin präsentiert eine mutige Neuinszenierung von Salome, Richard Strauss’ umstrittenem Meisterwerk. Unter der Regie von Evgeny Titov wird die biblische Erzählung in einer kargen, symbolträchtigen Ästhetik neu interpretiert. Die Produktion sorgt vor allem durch ihr minimalistisches Bühnenbild und eine frische Deutung der berüchtigten Titelfigur für Aufsehen. Die Oper, die auf der Geschichte von Salomes Forderung nach dem Haupt Johannes des Täufers basiert, löste bei ihrer Uraufführung sofortige Empörung aus. Sie wurde an der Wiener Hofoper verboten und entfachte Debatten über ihre provokanten Themen. Strauss bemerkte später scherzhaft, die finanziellen Gewinne aus dem Skandal seien beträchtlich gewesen – genug, um seine Villa in Garmisch zu finanzieren. Titovs Version bricht mit den gängigen Klischees der Salome als femme fatale oder verführerische Lolita. Stattdessen erscheint sie als eine formlose, suchende Gestalt, die ihre Identität erst durch die Liebe und deren düstere Konsequenzen findet. Das Bühnenbild von Rufus Didwiszus zeigt einen mattgoldenen Gewölberaum, der die schroffe, symbolgeladene Atmosphäre der Inszenierung unterstreicht. Nicole Chevalier übernimmt die anspruchsvolle Titelrolle und spielt weite Teile der Oper mit von einer weißen Kapuze verhülltem Gesicht. Die Inszenierung des berühmten Tanzes vervielfältigt Salomes Präsenz: Tänzer in identischen Masken wirbeln um Herodes und verstärken so die Illusion, die ihn gefangen hält. Matthias Wohlbrechts Herodes liefert eine beklemmende Darstellung – seine scharfkantige Stimme unterstreicht die Bedrohlichkeit und die Ängste des Königs. Titovs Inszenierung vertieft existenzielle Themen und setzt auf reduzierte Requisiten sowie Körpersprache, um Salomes Wandlung zu erkunden. Begierde durchdringt die Handlung und erfasst selbst Jochanaan, der mit eigenen Sehnüchten ringt. Allerdings verliert die an BDSM angelehnte Ästhetik an entscheidenden Stellen an Wirkung und schwächt so ihre Intensität. Die Salome der Komischen Oper Berlin bietet eine zum Nachdenken anregende Interpretation von Strauss’ Werk. Durch psychologische Tiefe und symbolische Bühnenführung stellt die Produktion gängige Salome-Bilder infrage. Das Ergebnis ist eine faszinierende, wenn auch nicht durchgehend gelungene Annäherung an eine Geschichte, die seit über einem Jahrhundert polarisiert.

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