Siemens gerät bei Hauptversammlung wegen KI-Strategie und Healthineers-Abspaltung unter Beschuss
Johanna MüllerSiemens gerät bei Hauptversammlung wegen KI-Strategie und Healthineers-Abspaltung unter Beschuss
Siemens erntet scharfe Kritik von Großinvestoren auf Hauptversammlung in München
Führende Vermögensverwalter hinterfragten auf der Jahreshauptversammlung des Konzerns die Handhabung der KI-Strategie, jüngste Übernahmen sowie die verzögerte Abspaltung von Siemens Healthineers. Besorgnis löste vor allem die Ausgabenpolitik aus, aber auch die mangelnde Profitabilität und das Fehlen klarer Zeitpläne für zentrale Vorhaben.
Vorstandschef Roland Busch kündigte an, im April nähere Details zur Healthineers-Abspaltung – darunter Zeitrahmen und steuerliche Auswirkungen – zu veröffentlichen. Doch die Investoren zeigten sich verärgert über die anhaltende Unsicherheit. Arne Rautenberg von Union Investment bezeichnete den Prozess als "schlampige Arbeit" und warnte, dies habe "unnötig Vertrauen untergraben".
Auch die KI-Strategie des Konzerns stand in der Kritik. Zwar präsentiert sich Siemens weiterhin als "One Tech Company" und will seine Kerngeschäftsbereiche in ein softwaregetriebenes Modell integrieren – doch die Vermögensverwalter forderten greifbare Erfolge. Rautenberg machte unmissverständlich klar: "Wir wollen keine Visionen mehr kaufen – wir wollen Ergebnisse sehen."
Kritik gab es zudem an den jüngsten Großübernahmen, darunter die 16-Milliarden-Dollar-Deals für Altair und Dotmatics. Ingo Speich von Deka mahnte Busch zur Zurückhaltung bei den Ausgaben und riet ihm, "nicht zu viel Bargeld zu verbrennen". Speich warnte zudem vor einer möglichen KI-Blase: "Seien Sie vorsichtig – ein Platzen könnte Siemens hart treffen."
Die Anleger zweifelten außerdem daran, ob die KI-Investitionen ausreichend Mehrwert schaffen, um die Gesamtprofitabilität zu steigern. Speich betonte, dass die Initiativen bisher nicht genug Erträge gebracht hätten, um ihre Kosten zu rechtfertigen.
Nun steht Siemens unter Druck, klarere Meilensteine für die KI-Integration und die Healthineers-Abspaltung vorzulegen. Das Unternehmen hat zugesagt, im April weitere Details zu nennen. Bis dahin bleiben die Investoren skeptisch, ob die Transformationsstrategie die gewünschten finanziellen Effekte bringen wird.