Sienna Rose: Ist diese Soulsängerin echt oder nur ein KI-Experiment?
Johanna MüllerAI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Sienna Rose: Ist diese Soulsängerin echt oder nur ein KI-Experiment?
Die Soulsängerin Sienna Rose steht im Mittelpunkt einer wachsenden Debatte über KI-generierte Musik. Mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify stellt sich die Frage: Ist sie eine echte Künstlerin oder eine digitale Schöpfung? Die Kontroverse verschärfte sich, nachdem Selena Gomez in einem viral gegangenen Instagram-Post einen ihrer Songs präsentierte – was sowohl Neugier als auch Spott auslöste.
Untersuchungen zu ihren Ursprüngen förderten Verbindungen zu Produzenten zutage, die auf künstliche Intelligenz spezialisiert sind, und warfen Fragen zur Transparenz in der Musikbranche auf.
Auf ihrem Spotify-Profil gibt sich Sienna Rose als "Geschichtenerzählerin des Herzens" aus, begleitet von einem Bild einer jungen Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen. Doch ihr rasanter Aufstieg, das Fehlen von Live-Auftritten und eine kaum vorhandene Social-Media-Präsenz nährten die Zweifel. Internet-Detektive wunderten sich über ihre ungewöhnlich schnellen Songveröffentlichungen und das plötzliche Verschwinden einer früheren Version von Rose mit roten Haaren von Online-Plattformen.
Das Investigativteam des Bayerischen Rundfunks verfolgte ihre Spuren bis zu Nostalgic Records und dem Produzenten Maksim Muravjov, der für KI-generierte Acts bekannt ist. Zudem fanden sie Verbindungen zu dem KI-Experten Hafsteinn Runarsson, der bereits mehrere Pop-Avatare entwickelt hat und Kurse zum Vermarkten von KI-Musik anbietet. Unterdessen schätzt die BBC, dass Sienna Rose ihren Machern wöchentlich über 2.000 Euro einbringt – was auf Jahresbasis eine Million erreichen könnte.
Die Diskussion beschränkt sich nicht auf Rose. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify vor, KI-Musik aus Profitinteresse zu pushen. Täglich werden Millionen Tracks hochgeladen, und 97 Prozent der Hörer können sie laut Studien nicht von menschengemachter Musik unterscheiden. Die UNESCO warnt, dass bis 2028 gefälschte Künstler bis zu 24 Prozent des Musikmarktes einnehmen könnten.
Die Streaming-Plattformen reagieren bereits. Apple Music nutzt nun "Transparenz-Kennzeichnungen", um KI-generierte Inhalte zu markieren, während Spotify plant, den DDEX-Metadatenstandard für die Erkennung einzuführen. Deezer behauptet, seine Systeme würden bis zu 85 Prozent betrügerischer KI-Tracks blockieren, und lizenziert die Technologie an andere Branchenakteure.
Der Fall Sienna Rose zeigt die Herausforderungen auf, echte von KI-generierten Künstlern in einer sich wandelnden Musikindustrie zu unterscheiden. Streaming-Dienste führen zwar neue Maßnahmen für mehr Transparenz ein, doch die finanziellen Anreize hinter künstlichen Acts bleiben umstritten. Während die Erkennungsmethoden weiterentwickelt werden, dauert die Debatte über Authentizität und Kommerz in der Musik an.