TMZ stürmt Washington: Wenn Promi-Jagd auf Politiker trifft
Eine Klatschseite, die für ihre aggressive Berichterstattung bekannt ist, nimmt nun Politiker in Washington ins Visier. TMZ, berüchtigt für die Jagd auf Prominente und das Bezahlen von Informanten, richtet sein Augenmerk auf Abgeordnete in der Hauptstadt. Der Schritt erfolgt zu einer Zeit, in der das öffentliche Vertrauen in die Regierung auf einem Tiefstand ist – der Kongress verzeichnet eine Ablehnungsquote von 86 Prozent.
Gegründet 2005, machte sich TMZ mit reißerischen Promi-Nachrichten einen Namen. Die Seite hat immer wieder virale Momente geschaffen, etwa ein Foto von Senator Lindsey Graham, der während einer politischen Krise mit einem Zauberstab in Disney World posierte. Nun schickt TMZ DC Mitarbeiter los, um Politiker im gleichen aufdringlichen Stil wie Hollywood-Stars zu konfrontieren – ganz nach Art der Paparazzi.
Das Medium ruft zudem die Öffentlichkeit auf, spontane Schnappschüsse von Politikern einzusenden. Obwohl TMZ nicht offiziell von den Pressegalerien des Kongresses akkreditiert ist, gelingt es der Seite dennoch, Aufmerksamkeit zu erregen. Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete die TMZ-Reporter kürzlich als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe hier" im Pentagon.
Diese Neuausrichtung erfolgt in einer Zeit, in der Reality-TV-Persönlichkeiten erheblichen politischen Einfluss haben. Ein ehemaliger Wrestling-Funktionär und ein Ex-Teilnehmer der Serie The Real World arbeiten in der aktuellen Regierung mit. Selbst Stars aus dem Real Housewives-Franchise statteten in den letzten Monaten dem Kapitol einen Besuch ab.
Mit dem Einmarsch von TMZ in Washington verschwimmen die Grenzen zwischen Unterhaltung und Politik noch weiter. Die Methoden der Seite – darunter das Bezahlen von Quellen – könnten die traditionellen Standards des Journalismus zusätzlich unter Druck setzen. Angesichts des ohnehin schwachen Vertrauens in Institutionen könnte ihr Auftreten die Wahrnehmung politischer Berichterstattung nachhaltig verändern.






