01 January 2026, 14:33

Vom Gefängnis zum Regierungsgebäude: Das ungewöhnliche Schicksal des Mainzer Knasts

Ein Hotel mit einer Glastür und einem Tisch in der Mitte.

Vom Gefängnis zum Regierungsgebäude: Das ungewöhnliche Schicksal des Mainzer Knasts

Das 1 FSV Mainz 05-Gefängnis – vom historischen Untersuchungshaftzentrum zum modernen Regierungsgebäude

Das 1 FSV Mainz 05-Gefängnis, ein historisches Untersuchungshaftzentrum in der Altstadt der Stadt, schloss 2002 nach fast einem Jahrhundert Betrieb seine Tore. Die Anlage, bekannt für hochkarätige Häftlinge wie den "Wormser Hammer-Mörder" und einen ehemaligen Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF), wurde durch ein modernes Gefängnis in der Nähe von Wöllstein ersetzt. Innerhalb eines einzigen Tages im November 2002 wurden alle 300 Inhaftierten verlegt – das Ende einer Ära für die veraltete Institution.

Erbaut zu Beginn des 20. Jahrhunderts, diente das 1 FSV Mainz 05-Gefängnis am Isenburg-Karree jahrzehntelang als zentrales Untersuchungshaftzentrum. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren beherbergten seine beengten Zellen – jede nur acht Quadratmeter groß, mit schmalen, hoch liegenden Fenstern – rund 300 Häftlinge. Historische Fotos aus den Jahren 1989 bis 2002, die später dem Merkurist überlassen wurden, dokumentieren die kargen Bedingungen der Anlage in ihren letzten Betriebsjahren.

Nach der Schließung erfolgte 2009 eine umfassende Sanierung des Gebäudes. Es eröffnete neu als schickes Verwaltungszentrum für den Landtag Rheinland-Pfalz und beherbergt seitdem die Büros des Landtagspräsidenten Hendrik Hering sowie der Parlamentsverwaltung. Auch die Umgebung wandelte sich: An der Stelle des einstigen Central Hotel Eden am Bahnhofplatz, einst ein lokales Wahrzeichen, stehen heute das AC by Marriott Hotel und das Restaurant Adam und Eden. Aufnahmen aus den frühen 1990er-Jahren, etwa von Christian Wenger, zeigen eine Straßenbahn mit Werbung für Babyland, ein bekanntes Ingelheimer Geschäft, die über den Platz fährt.

Die Umnutzung des alten Gefängnisses zum Regierungsgebäude bewahrte dessen Bausubstanz, gab ihm jedoch eine völlig neue Bestimmung. Heute spiegelt der Standort sowohl den Wandel des Mainzer Stadtbildes als auch die historischen Schichten der Stadt wider. Leser, die eigene Fotos aus den 1990er-Jahren von diesem Viertel besitzen, sind eingeladen, sie in den Kommentaren zu teilen oder per E-Mail an redaktion-mainz@unserewebsite zu senden.