Wero startet als europäische PayPal-Alternative – doch US-Abhängigkeit bleibt Risiko
Ben SchmidtWero startet als europäische PayPal-Alternative – doch US-Abhängigkeit bleibt Risiko
Neue deutsche Zahlungs-App Wero will PayPal & Co. Konkurrenz machen
Die neue deutsche Zahlungs-App Wero tritt gegen US-Schwergewichte wie PayPal an. Die Plattform, unterstützt von großen europäischen Banken, soll eine Alternative in einem Markt bieten, der bisher von amerikanischen Anbietern dominiert wird. Doch es gibt Bedenken wegen der Abhängigkeit von US-Technologie und möglicher Störungen, falls die Handelskonflikte eskalieren.
Hinter Wero steht die European Payments Initiative (EPI), ein Zusammenschluss, an dem deutsche Sparkassen, Genossenschaftsbanken, die Deutsche Bank und die ING beteiligt sind. Auch Zahlungsabwickler wie Worldline, Nexi und Stripe sind in das System eingebunden. Um die App zu nutzen, benötigen Kunden ein Smartphone und müssen den Zugriff auf ihre Kontakte erlauben.
Die Server der Plattform sollen laut Angaben in der EU stehen. Experten warnen jedoch, dass viele Fintech-Dienste weiterhin auf US-Cloud-Anbieter wie AWS, Azure oder Google Cloud angewiesen sind. Sollte der ehemalige US-Präsident Donald Trump amerikanische Dienste für europäische Unternehmen sperren, könnte Wero in Bedrängnis geraten – auch wenn es keine direkten Belege für eine solche Abhängigkeit gibt.
Sascha Straub, Verbraucherschützer der Verbraucherzentrale Bayern, kritisiert die starke Abhängigkeit Europas von US-Zahlungssystemen. Als Beispiel nennt er PayPal, das allein in Deutschland 35 Millionen Nutzer hat. Ein großer Ausfall im August 2023 hatte zur Folge, dass Hunderttausende deutsche PayPal-Kunden keine Transaktionen durchführen konnten – ein Warnsignal für die Risiken einer Monopolstellung. Kritiker befürchten, dass US-Zahlungsdienste in Handelsstreitigkeiten als Druckmittel eingesetzt werden könnten. Straub hofft, dass europäische Alternativen wie Wero diese Verwundbarkeit verringern.
Doch der Erfolg der App hängt von einer schnellen Markteinführung und der Unterstützung der Banken ab – nicht alle erlauben ihre Nutzung bisher. Zudem fehlt eine Desktop-Version, was die Zugänglichkeit für manche Nutzer einschränkt.
Mit dem Start von Wero unternimmt Europa einen Versuch, ein eigenes Zahlungssystem aufzubauen. Seine Zukunft hängt von der Akzeptanz der Nutzer, Bankenpartnerschaften und der Frage ab, ob es gelingt, mögliche US-Handelsrestriktionen zu umgehen. Vorerst bietet die App eine weitere Option in einem Markt, in dem echte Alternativen noch Mangelware sind.