26 March 2026, 22:15

Wie das ZDF Magazin Royale versehentlich einen rechtsextremen YouTuber zum Star machte

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Es ist Zeit, Social-Media-Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen" in der Mitte auf einem weißen Hintergrund eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand.

Wie das ZDF Magazin Royale versehentlich einen rechtsextremen YouTuber zum Star machte

Ein Beitrag des ZDF Magazin Royale im Februar 2025, der eigentlich einen rechtsextremen YouTuber entlarven sollte, hat stattdessen dessen Popularität gesteigert. Der Kanal Clownswelt verzeichnete nach der Ausstrahlung einen massiven Anstieg an Abonnenten und Aufrufen. Kritiker werfen öffentlichen Rundfunkanstalten wie dem ZDF nun vor, unter dem Deckmantel der Satire die politische Polarisierung zu befeuern.

Am 21. Februar 2025 stellte Moderator Jan Böhmermann den YouTuber in einem kritischen Bericht im ZDF Magazin Royale vor. Doch statt die Reichweite des Kanals zu schwächen, führte die mediale Aufmerksamkeit zu einem rasanten Zuwachs an Unterstützung. Bis zum 13. Mai 2025 gewann Clownswelt über 160.000 neue Abonnenten und erreichte damit eine Gesamtzahl von mehr als 384.000. Im folgenden Jahr setzte sich das Wachstum fort: Bis Anfang 2026 stieg die Abonnentenzahl auf über 250.000 – ein Anstieg von 45 Prozent –, während die durchschnittlichen Videoaufrufe um 60 Prozent kletterten.

In sozialen Medien wurde Böhmermann und Zeit Online vorgeworfen, den YouTuber gezielt an den Pranger gestellt zu haben; die Methoden wurden mit der Überwachungspraxis der Stasi verglichen. Der Medienanwalt Christian Solmecke argumentierte, die Sendung habe möglicherweise rechtliche Grenzen überschritten, indem persönliche Daten preisgegeben wurden. Zeit Online verteidigte sich und behauptete, nur ein Prozent der gesammelten Informationen veröffentlicht zu haben, um Schäden zu vermeiden. Dennoch löste die Kontroverse reale Folgen aus, darunter eine Welle der Solidarität mit dem YouTuber.

Konservative Medien und Kommentatoren gingen noch weiter und warfen dem Beitrag Verstöße gegen § 126a des Strafgesetzbuchs vor, der die öffentliche Verbreitung persönlicher Daten zur Gewaltanhebung unter Strafe stellt. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) kritisierte die Sendung und monierte, dass Bezeichnungen wie "rechtsradikal" oder "faschistisch" ohne konkrete Belege verwendet worden seien. Die Alternative für Deutschland (AfD) nutzte den Vorfall unterdessen, um gegen die öffentlich-rechtlichen Sender zu wettern, und untermauerte damit ihre Kritik an einer vermeintlich voreingenommenen Berichterstattung.

Die Folgen des ZDF Magazin Royale-Beitrags haben Clownswelt stärker dastehen lassen als zuvor – mit anhaltendem Wachstum bei Abonnenten und Interaktionen. Gleichzeitig lieferte die Kontroverse der AfD und ihren Anhängern neue Argumente gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die juristischen Debatten über das sogenannte Doxxing und Medienethik dauern an, doch die gestiegene Reichweite des Kanals bleibt ein messbares Ergebnis der Sendung.

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