24 December 2025, 16:41

Wie *Die Tödliche Doris* mit radikaler Kunst Berlin revolutionierte

Eine Gruppe von Menschen untersucht Plakate und Diagramme, die an einer Wand in einem scheinbar Kunstmuseum angezeigt werden.

Wie *Die Tödliche Doris* mit radikaler Kunst Berlin revolutionierte

Bahnbrechende Ausstellung im Bremer Weserburg Museum: Die radikale Kunst der Tödlichen Doris

Im Bremer Weserburg Museum hat eine wegweisende Ausstellung eröffnet, die das provokante Schaffen des Künstler- und Musikkollektivs Die Tödliche Doris feiert. Die erste große Retrospektive der Gruppe spannt einen Bogen über vier Jahrzehnte unkonventioneller Kreativität. Gegründet 1980 von den Kunst- und Filmstudenten Wolfgang Müller und Nikolaus Utermöhlen, sprengte das Kollektiv mit seiner Arbeit die Grenzen zwischen Musik, Film und Performance.

Ihre Anfänge hatte die Gruppe in West-Berlin, wo sie spielerische Subversion mit scharfem Witz verband. Zu ihren frühen Werken zählte Materialien für die Nachkriegszeit, ein Film-Fotografie-Projekt, das weggeworfene Passfotos aus U-Bahn-Stationen nutzte. Bereits 1981 traten sie beim Festival der genialen Dilettanten in Berlin auf und teilten sich die Bühne mit anderen Avantgarde-Künstlern.

Ihr Auftritt auf der documenta 8 im Jahr 1987 überraschte das Publikum, als sie statt punkiger Provokation konzeptuelle Malerei präsentierten. Ein zentrales Werk, Die Gesamtheit allen Lebens und alles Darüberhinaus, lud zufällige Besucher ein, es zu übermalen – eine klare Herausforderung an herkömmliche Kunstnormen. Film bleibt ein Kernstück der Retrospektive: Super-8-Arbeiten laufen parallel und erzeugen, wie Kurator Radek Krolczyk es nennt, ein "Summen". Kritiker hoben stets die Fähigkeit der Gruppe hervor, dort aufzutauchen, wo man sie am wenigsten erwartete – nicht mit Aggression, sondern mit cleverer Frechheit die Disziplinen verschmelzend.

Die Ausstellung unterstreicht den anhaltenden Einfluss von Die Tödliche Doris auf die experimentelle Kunstszene. Ihr Werk fordert bis heute zum Umdenken auf, indem es die Grenzen zwischen den Medien sprengt. Die Schau ist im Zentrum für Künstlerpublikationen zu sehen und bietet einen seltenen Einblick in ihr interdisziplinäres Erbe.