10 May 2026, 22:19

Wie Hindenburgs Flaggenverordnung die Weimarer Republik weiter spaltete

Karte von Deutschland mit horizontalen Streifen in rot, gelb und schwarz vor einem weißen Hintergrund.

Wie Hindenburgs Flaggenverordnung die Weimarer Republik weiter spaltete

Am 5. Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die Zweite Flaggenverordnung der Weimarer Republik. Der Erlass sollte einen langwierigen Streit über die nationalen Symbole beilegen, vertiefte jedoch stattdessen die politischen Gräben. Sowohl linke als auch rechte Kräfte kritisierten den Kompromiss, sodass Reichskanzler Hans Luther zwischen den Fronten stand.

Der Konflikt um die deutsche Flagge schwelte bereits seit der Revolution von 1918/19. Die Spartakisten und später die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) setzten sich für Rot als Nationalfarbe ein. Konservative und Nationalisten hingegen bevorzugten die alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatten sich zwei unversöhnliche Blöcke gebildet: ein „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und ein „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“.

Die Nationalversammlung hatte zuvor versucht, die Kluft zu überbrücken, indem sie Schwarz-Rot-Gold als Nationalflagge einführte, der Handelsflagge jedoch die kaiserlichen Farben beließ. Doch die Spannungen blieben bestehen – besonders nach dem Scheitern des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich, als sich die politischen Lager weiter vergruben. Die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) forderte daraufhin die vollständige Rückkehr zu den alten Reichsfarben. Luther, ein parteiloser Kanzler, schlug eine neue Lösung vor.

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Hindenburg folgte Luthers Rat und erließ die Zweite Flaggenverordnung. Sie schrieb vor, dass deutsche Vertretungen außerhalb Europas sowohl die schwarz-rot-goldene Nationalflagge als auch die Handelsflagge mit den kaiserlichen Farben hissen mussten. Doch der Schritt befriedigte weder die Rechte, die ihn als zu schwach ansah, noch die Linke und die Mitte, die traditionell Schwarz-Rot-Gold unterstützten, aber den Kompromiss als unzureichend empfanden. Überraschenderweise reihten sich sogar die Kommunisten, sonst erbitterte Gegner der Weimarer Koalition, in die Kritik ein – ein Zeichen dafür, wie versteinert der Konflikt war.

Hindenburg versuchte in einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen, und rief zu einer verfassungsmäßigen Einigung auf. Doch auch Edwin Redslob, der Reichskunstwart, dem die Vereinheitlichung der künstlerischen Symbole des Reiches oblag, scheiterte an der Blockadehaltung. Die Verordnung ließ Luther von allen Seiten unter Beschuss geraten, ohne dass sich ein Ausweg abzeichnete.

Die Zweite Flaggenverordnung trug kaum zur Versöhnung in der Symbolfrage bei. Im Gegenteil: Sie offenbarten, wie tief gespalten Deutschland in seiner Identitätsfrage blieb. Dass selbst bei einer so grundlegenden Frage wie der Flagge kein Konsens möglich war, unterstrich die politische Instabilität der Weimarer Zeit.

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