10 May 2026, 14:16

Zwei Schwestern, zwei Theaterwelten: Wie Happel und Nocker Wien prägen

Plakat für das Theatre Sarah Bernhardt von 1909-1910, das eine Gruppe von Frauen in der Mitte zeigt, mit Text, der das Theater und seine Schauspieler beschreibt.

Zwei Schwestern, zwei Theaterwelten: Wie Happel und Nocker Wien prägen

Maria Happel und Paula Nocker – zwei Schwestern, zwei Theaterwelten

Maria Happel und Paula Nocker, Schwestern und lebenslange Nachbarinnen, prägen seit Jahrzehnten die Wiener Theaterszene. Als Töchter derselben Eltern standen sie bereits mit acht Jahren auf der Bühne – manchmal sogar unter der Regie ihrer Mutter. Heute zeigen ihre Karrieren und künstlerischen Ansichten sowohl gemeinsame Wurzeln als auch markante Unterschiede.

In eine Theaterfamilie hineingeboren, entdeckten Happel und Nocker früh ihre Leidenschaft für die Bühne. Beide gaben mit acht ihr Debüt, gelegentlich angeleitet von der Mutter. Im Laufe der Zeit gingen ihre Wege auseinander, doch blieben sie eng verbunden – als Nachbarinnen in Wien.

Happel, die seit über der Hälfte ihres Lebens in der Stadt lebt, besitzt die österreichische Staatsbürgerschaft. Nocker hingegen hat sowohl die österreichische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit. Auch beruflich nahmen ihre Laufbahnen unterschiedliche Richtungen. Happel trat kürzlich als Leiterin des Reinhardt-Seminars zurück, nachdem sie Kritik geerntet hatte – unter anderem wegen Vernachlässigung der Studierenden und Zeitmangels für die Position.

Aktuell sind beide Schwestern in bedeutende Projekte vertieft. Happel beendet die Proben zu Heiliger Falstaff am Burgtheater, einer österreichischen Erstaufführung, die auf Shakespeares Heinrich IV. basiert. Nocker hingegen bereitet Mythen des Alltags vor, eine Koproduktion des Volkstheaters mit den Wiener Festwochen.

Ihre künstlerischen Haltungen könnten kaum unterschiedlicher sein. Während Happel Geschlechtertausch auf der Bühne als Zuschauerin befremdlich findet, sieht Nocker die Bühne als Ort für kühne Experimente. Auch auf Kritik reagieren sie gegensätzlich: Happel spürt den Stich der Rezensionen, Nocker geht damit gelassener um.

Gesellschaftspolitisch werden die Differenzen noch deutlicher. Nocker unterstützt offen die #MeToo-Bewegung und betont die Notwendigkeit weiterer Fortschritte. Happel hingegen hinterfragt deren praktische Wirkung und verweist darauf, dass elterliche Lehren über Einvernehmlichkeit nicht automatisch zu gesellschaftlichem Wandel führen.

Trotz gemeinsamer Herkunft verkörpern Happel und Nocker heute zwei distinkte Stimmen des österreichischen Theaters. Ihre anstehenden Produktionen werden ihre konträren Visionen auf Wiens Bühnen sichtbar machen. Beide bleiben einflussreiche Persönlichkeiten – ein Beweis dafür, dass künstlerische Leidenschaft auch dann gedeiht, wenn die Perspektiven kollidieren.

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