29 June 2026, 18:28

50. Klagenfurter Literatur-Tage: Skandale, Preise und prekäre Realitäten

In Frontal Opposition zu Allem

50. Klagenfurter Literatur-Tage: Skandale, Preise und prekäre Realitäten

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Mutige Auftritte und bemerkenswerte Preise

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Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt brachten kühne Statements und bedeutende Auszeichnungen mit sich. In diesem Jahr bestand die Jury des Bachmann-Preises erstmals ausschließlich aus sieben Frauen – ein Novum in der Geschichte des Festivals. Wirtschaftliche Themen dominierten die Debatten, wobei finanzielle Sorgen sowohl in den Texten als auch in den Kommentaren der Jury eine zentrale Rolle spielten.

Schon vor dem offiziellen Ende sorgte Slata Roschal für Schlagzeilen: Sie kündigte an, die Bühne unmittelbar nach ihrer Lesung zu verlassen und sich nicht der Jury zu stellen. Ihr in Klagenfurt vorgetragener Text behandelte zwar prekäre Lebensumstände, richtete den Fokus aber scharf auf die Literaturwelt selbst. Zudem kritisierte sie scharf die etablierten Strukturen – etwa die schlecht bezahlten Stipendien und die mageren Einnahmen, die Autor:innen erzielen.

Die vergebenen Preise spiegelten die Vielfalt der eingereichten Werke wider. Schaette gewann nicht nur den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis, sondern auch den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen. Ozan Zakariya Keskinkılıç erhielt den Deutschlandfunk-Preis für Vater ohne Sohn, während Kinga Tóth mit dem KELAG-Preis ausgezeichnet wurde – gelobt für ihren sprachlichen Witz und ihre polyphone Erzählweise, obwohl sie Deutsch erst in der Schule gelernt hatte.

Auch Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan löste Diskussionen aus. Darin sitzt Gottvater auf der Anklagebank, angeklagt von einer Richterin – doch nach seiner wahrheitsgemäßen Aussage geht er frei. Viele der vorgestellten Texte beschäftigten sich unterdessen mit dem Thema prekärer Lebensrealitäten, oft symbolisiert durch wiederkehrende Motive wie „Flecken“ oder „Spuren“.

Das Festival endete mit starken Auftritten und pointierten Kritiken. Schaettes Doppelsieg und Roschals demonstrativer Abgang hinterließen bleibende Eindrücke. Die Veranstaltung zeigte nicht nur literarisches Talent, sondern auch die finanziellen Herausforderungen, mit denen die Branche zu kämpfen hat.

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