Angélica Liddells provokantes Mishima-Stück feiert Uraufführung in Wien
Elias BraunAngélica Liddells provokantes Mishima-Stück feiert Uraufführung in Wien
Angélica Liddell hat bei den Wiener Festwochen ihr neuestes Bühnenwerk uraufgeführt: Seppuku: Die Bestattung Mishimas oder die Lust am Sterben. Die Performance setzt sich mit Leben und Tod des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima auseinander und verbindet Ästhetik des Nō-Theaters mit roher, eindringlicher Aktionskunst.
Die Inspiration für das Stück geht auf eine Erfahrung Liddells zurück, als sie in Madrid den Suizid einer Frau miterlebte. Dieses Erlebnis veranlasste sie, das Leben jener zu erforschen, die sich bewusst für den Freitod entschieden. In der zweistündigen Produktion verkörpert sie das Leid der Verstorbenen und verwebt ihre Schicksale mit dem Mishimas.
Die Aufführung zeigt eine Nachstellung von Mishimas rituellem Selbstmord – dem Seppuku – im Jahr 1970, inszeniert vor einem Hintergrund aus vergoldeten Fliesen. Liddell trägt Kleidungsstücke Verstorbener, um deren Rollen einzunehmen und ihre Geschichten zu erzählen. Daneben integriert sie abrupten Brüche, makabre Humoreinlagen sowie eigenes Blut und das eines Mitperformers.
An einer Stelle hält sie eine ekstatische Verteidigung der Selbsttötung. Die Produktion ist Teil der Wiener Festwochen, die sich in diesem Jahr dem Thema Republik der Götter widmen.
Mishima selbst hatte seinen eigenen rituellen Suizid bereits 1966 in einem Kurzfilm dargestellt – Jahre vor seinem tatsächlichen Tod. Liddells Werk verschmilzt Theater, persönliche Reflexion und provokante Bildsprache, um das Publikum mit der Tragweite solcher Entscheidungen zu konfrontieren. Die Performance ist ein mutiger Beitrag zum Festivalprogramm.






