18 March 2026, 16:14

Arzneimittel-Engpässe: Warum Deutschlands Medikamentenversorgung auf der Kippe steht

Plakat mit der Aufschrift: Amerikaner zahlten 2022 zwei bis drei Mal so viel für Medikamente wie andere Länder, mit Flaschen und einer Spritze.

Arzneimittel-Engpässe: Warum Deutschlands Medikamentenversorgung auf der Kippe steht

Deutschlands Abhängigkeit von Arzneimittelimporten entfacht hitzige Debatte

Die starke Abhängigkeit Deutschlands von ausländischen Medikamentenlieferungen hat unter Branchenführern und Krankenkassen eine kontroverse Diskussion ausgelöst. Auf der Jahreskonferenz des Handelsblatts gerieten Vertreter der Pharmaindustrie in Streit darüber, ob die aktuellen Reserven und politischen Maßnahmen ausreichen, um Engpässe zu verhindern. Die Bundesregierung hat zwar bereits neue Gesetze erlassen, um die Abhängigkeit von Drittstaaten zu verringern, doch Kritiker fordern dringendere Schritte.

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Den Auftakt der Debatte bildeten Warnungen von Spitzenvertretern der Pharmabranche vor den Verwundbarkeiten Europas. Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH), betonte, Deutschland mangele es an Widerstandsfähigkeit – nötig sei ein grundlegender Strategiewechsel. Ohne Investitionen in Forschung und Produktion könnten sich die Versorgungsengpässe bei essenziellen Medikamenten, insbesondere Antibiotika und Generika, weiter verschärfen.

Kerem Inanc, Geschäftsführer von Alliance Healthcare Deutschland, teilte diese Bedenken. Er kritisierte die starke Abhängigkeit von globalen Lieferketten und forderte eine Rückkehr der Produktion nach Europa. Thomas Weigold, Chef von Sandoz/Hexal in Deutschland, plädierte für mehr Eigenständigkeit und argumentierte, dass lebenswichtige Arzneimittel als Teil der kritischen Infrastruktur des Landes behandelt werden müssten.

Die Krankenkassen hingegen relativierten die Warnungen der Industrie. Tim Steimle, Pharmareferent der Techniker Krankenkasse, hielt die deutschen Medikamentenreserven für sechs Monate für ausreichend. Zudem begrüßte er das geplante Freihandelsabkommen mit Indien als Schritt zur Verbesserung der Versorgungssicherheit. Weigold widersprach dieser Einschätzung scharf: Solche Abkommen würden die Resilienz bei der Generika-Herstellung eher schwächen.

Die Bundesregierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um Lieferrisiken zu mindern. Das neue Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) zielt darauf ab, Lieferketten zu diversifizieren und mehr Produktion nach Europa zurückzuholen. Weitere Initiativen sind die Nationale Pharmastrategie, der Pharma-Dialog sowie Pläne für ein Gesundheitssicherstellungsgesetz bis 2026. Zudem laufen Reformen in Apotheken und der IT-Infrastruktur, um das System gegen hybride Bedrohungen widerstandsfähiger zu machen.

Die Diskussion offenbarten tiefe Gräben in der deutschen Arzneimittelstrategie. Während die Krankenkassen auf bestehende Reserven und Handelsabkommen verweisen, fordert die Industrie schnellere Investitionen in die lokale Produktion. Die neuen Gesetze der Regierung sind ein Schritt in Richtung weniger Abhängigkeit vom Ausland – doch ihr Erfolg hängt von der Umsetzung und weiteren finanziellen Mitteln ab.

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