Ärzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Impfkompetenz und Millionenförderung
Hannah BöhmÄrzte und Apotheker liefern sich erbitterten Machtkampf um Impfkompetenz und Millionenförderung
In Deutschland ist ein erbitterter Streit zwischen Apothekern und Ärzten über Pläne zur Ausweitung von Impfungen in Apotheken entbrannt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) lehnt den geplanten Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) vehement ab und warnt vor möglichen Risiken, wenn nicht-ärztliches Personal Impfungen durchführt. Die Apotheker kontern scharf, verteidigen ihre Fachkompetenz und fordern mehr Anerkennung vonseiten der medizinischen Führungskräfte.
Auslöser der Kontroverse war eine Kritik von KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Bundesgesundheitsministerium (BMG), das Apotheken eine zusätzliche Milliarde Euro für Abgabegebühren zugesagt hatte, während die Ausgaben für Krankenhäuser unkontrolliert blieben. Gassen warf der Regierung vor, Apotheken auf Kosten der Arztpraxen zu bevorzugen, die keine vergleichbare finanzielle Aufstockung erhielten.
Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme reagierte mit scharfen Worten und warf Gassen vor, Apotheker pauschal als „medizinische Laien“ abzuwerten – eine Aussage, die sie als „unwissend und arrogant“ zurückwies. Sie betonte, dass Pharmakologie und klinische Pharmazie zentrale Bestandteile der apothekerischen Ausbildung seien und eine entscheidende Rolle für die Arzneimittelsicherheit in Krankenhäusern spielten.
Reher-Gremme verteidigte zudem die Fähigkeit von Apothekern, Antibiotika verantwortungsvoll einzusetzen, und wies die Bedenken von Ärzten zurück, dass es ohne Rezeptpflicht zu einem übermäßigen Gebrauch kommen könnte. Viele Ärzte arbeiteten bereits erfolgreich mit Apotheken zusammen, so die Apothekerin, und forderte die medizinischen Spitzenvertreter auf, diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe anzuerkennen.
Die KBV bleibt bei ihrer ablehnenden Haltung und warnt, dass eine Ausweitung der Impfungen in Apotheken zu unnötigen Tests durch ungeschultes Personal führen könnte. Reher-Gremme verwies hingegen auf die Erfolge der Apotheken während der Pandemie, als Millionen Grippeschutz- und COVID-19-Impfungen sicher und ohne Zwischenfälle verabreicht wurden.
Im Kern geht es in dem Konflikt um Finanzierung, berufliche Anerkennung und Patientensicherheit. Während die Ärzteschaft strengere Kontrollen fordert, fühlen sich die Apotheker in ihrer Kompetenz unterschätzt. Wie der Streit ausgeht, könnte maßgeblich beeinflussen, wie Impfungen und die Arzneimittelabgabe in Deutschland künftig organisiert werden.






