"Das Gleichnis vom Säure": Eine provokante Hommage an den fetten Körper
Hannah Böhm"Das Gleichnis vom Säure": Eine provokante Hommage an den fetten Körper
Eine mutige neue Performance, Das Gleichnis vom Säure, feierte Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon. Unter der Regie von Rébecca Chaillon vereint die Show sieben Performende, deren Körper konventionelle Normen herausfordern. Fast drei Stunden lang tauchen sie tief in das Thema Fett ein – mit Butter als zentralem Element ihrer Erkundung.
Die Aufführung interpretiert die Abnehmshow The Biggest Loser auf provokante Weise neu. Das Ensemble, gekleidet in buttergelbe Roben und goldene Unterwäsche, vollführt auffällige Aktionen: Sie erklettern Butterberge, stellen auf der Bühne selbst Butter her und wälzen sich in Gelee bedeckt auf dem Boden. An einer Stelle wickeln sie sich in Alufolie, posieren wie Bodybuilder und stürzen sich in chaotische Fressgelage.
Die Performenden sprechen offen über ihre persönlichen Geschichten – vom Aufwachsen in den Pariser Banlieues, vom Überleben körperlicher Gewalt bis hin zu Kämpfen mit Essattacken oder zwanghaftem Shoppen. Sie entschuldigen sich für ihre Körper, die sie als regelbrechend beschreiben, und gestehen ungewöhnliche Essgewohnheiten. Julie Teuf, eine der Darstellerinnen, verteilt sogar Butter an das Publikum, lädt zum Kosten ein und verlost Lebensmittel.
Inspiriert von Octavia Butlers Roman Parabel vom Sämann untersucht die Produktion die „Magie des Glaubens“ in verschiedenen Lebensbereichen. Chaillon, die sowohl Regie führt als auch selbst auf der Bühne steht, ist eine bekannte Figur in der französischen Kulturszene. Sie bezeichnet sich als „schwarze, dicke, kinderlose, alternde Lesbe“ und nutzt die Bühne, um gesellschaftliche Erwartungen infrage zu stellen.
Die Show verbindet schonungslose Bekenntnisse, körperbetontes Spektakel und Publikumseinbindung, um Normen rund um Körper und Glauben zu hinterfragen. Es ist eine weitere kühne Aussage Chaillons, deren Werk weiterhin Grenzen des zeitgenössischen Performancesprengt. Die Premiere bei den Wiener Festwochen hat dieses ungewöhnliche Stück einem neuen Publikum vorgestellt.






