07 May 2026, 14:17

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR Erinnerung unterdrückte

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, das zahlreiche weiße und blaue Betonsteine in einem Gittermuster zeigt.

Halberstadts vergessene jüdische Geschichte: Wie die DDR Erinnerung unterdrückte

Ein neues Buch von Philipp Graf untersucht die vergessene jüdische Geschichte Halberstadts in der DDR-Zeit.„Verweigerte Erinnerung“ zeigt, wie die antifaschistische Politik der Stadt tief verwurzelten Antisemitismus nicht bewältigen konnte. Die Forschung stützt sich auf Archive, persönliche Interviews und Literatur, um ein Erbe aufzudecken, das systematisch ignoriert wurde.

Die jüdische Gemeinschaft Halberstadts litt bereits lange vor den Bombenangriffen von 1945. 1938 wurde die Synagoge der Stadt während der Novemberpogrome zerstört – der Beginn ihrer Auslöschung. Bis 1942 diente der später wiederaufgebaute Komplex der Rathauspassagen als Schauplatz der letzten Deportation von Juden aus der Region.

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1949 wurde am ehemaligen Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge eine Gedenkstätte eingeweiht, um die Opfer von Zwangsarbeit zu ehren. Das Tunnelsystem des Lagers wurde später als militärisches Depot für die Nationalen Volksarmee der DDR genutzt. 1969 erfolgte ein Umbau der Gedenkstätte zu einer Versammlungsstätte für Treuegelöbnisse – direkt über den Gräbern der Häftlinge.

Trotz offizieller Auslöschung überdauerten jüdische kulturelle Beiträge in der DDR. Romane von Peter Edel und Jurek Becker erschienen dort und bewahrten Fragmente jüdischen Erbes. Lin Jaldati, eine niederländische Widerstandskämpferin, die 1952 nach Ost-Berlin zog, veröffentlichte drei Schallplatten, bevor sie nach dem Sechstagekrieg aus den Sendungen getilgt wurde.

Grafs Arbeit argumentiert, dass sowohl rechtsextreme als auch linksautoritäre Strömungen in der DDR den Antisemitismus fortschrieben. Seine Analyse fordert eine tiefere Auseinandersetzung damit, wie diese Ideologien das Gedächtnis an Halberstadts jüdische Vergangenheit prägten – und verzerrten.

Das Buch beleuchtet eine Geschichte, die jahrzehntelang aktiv unterdrückt wurde. Durch die Nachzeichnung persönlicher Schicksale, architektonischer Stätten und politischer Entscheidungen dokumentiert Grafs Forschung, was verloren ging. Die Erkenntnisse stellen das Selbstbild der DDR als vollständig antifaschistischer Staat infrage und decken Lücken in der Aufarbeitung der Vergangenheit auf.

Quelle