Wie die toxische "Manosphere" Frauenrechte bedroht und die Politik radikalisiert
Johanna MüllerWie die toxische "Manosphere" Frauenrechte bedroht und die Politik radikalisiert
Die giftige Online-Bewegung "Manosphere" wächst seit 2020 rasant
Über Plattformen wie TikTok, YouTube und Reddit verbreitet sich die sogenannte Manosphere – eine Bewegung, die extremes Männlichkeitsideal propagiert und Frauenrechte angreift. Ihr Einfluss reicht mittlerweile bis in die Politik hinein und befeuert Debatten in den USA und Europa, während sie die gesellschaftlichen Gräben in Fragen der Geschlechterrollen vertieft.
Ihr Aufstieg fällt zusammen mit einer Gegenbewegung gegen feministische Errungenschaften – von der Ablehnung von Abtreibungsrechten bis hin zur Feindseligkeit gegenüber der #MeToo-Kampagne. Prominente Fälle wie die Festnahme von Andrew Tate 2022 in Rumänien haben die Reichweite der Bewegung ins Rampenlicht gerückt. Ein EU-Bericht aus dem Jahr 2024 wies zudem auf ihre Rolle bei der Online-Radikalisierung hin und brachte sie mit rechtsextremen Gruppen in Deutschland und Frankreich in Verbindung.
Hypermaskulinität und Frauenfeindlichkeit als Kernbotschaft
Im Zentrum der Manosphere steht ein übersteigertes Männlichkeitsbild, das Frauen oft als minderwertig darstellt. Die radikalsten Stimmen fordern gar, Frauen das Wahlrecht zu entziehen. Diese Rhetorik sickert zunehmend in den gesellschaftlichen Mainstream ein – besonders bei jungen Männern, die sich von Figuren wie Tate beeinflussen lassen.
Gleichzeitig sichern sich mächtige Männer weiterhin Einfluss, sowohl im Netz als auch im echten Leben. Viele von ihnen müssen keine Konsequenzen für dokumentierte Übergriffe gegen Frauen fürchten – sei es durch Belästigung am Arbeitsplatz oder herabwürdigendes Verhalten. Soziale Medien verstärken diese Toxizität noch, indem sie frauenfeindliche Kommentare fluten. Frauen in Führungspositionen erleben nach wie vor herablassende Behandlung, sexualisierte Bemerkungen und Demütigungen – Verhaltensweisen, die oft ungestraft bleiben.
#MeToo im Abwärtstrend, Machtmissbrauch ungebrochen
Die #MeToo-Bewegung, die diese Dynamiken zeitweise infrage stellte, kämpft mittlerweile gegen eine Welle abwertender Haltungen an. Viele Männer äußern offen Erleichterung darüber, dass das, was sie als "woken Unsinn" bezeichnen, an Bedeutung verliere. Gleichzeitig dominieren nach wie vor Berichte über Machtmissbrauch durch Männer die Medien – sei es durch offene Aggression oder subtilere, strukturelle Diskriminierung.
Trotz der Dimension des Problems gibt es nur zögerliche Fortschritte. Institutioneller Widerstand und kulturelle Trägheit lassen schädliche Verhaltensmuster weiterbestehen. Für einige Männer ist die Verbreitung solcher Praktiken mittlerweile eine Quelle der Scham – ein Zeichen dafür, wie tief verwurzelt diese Probleme sind.
Von digitaler Radikalisierung zu politischer Einflussnahme
Die Ausbreitung der Manosphere hat bestehende Ungleichheiten verschärft und Feindseligkeit gegenüber Frauen normalisiert. Ihre Präsenz auf digitalen Plattformen verschafft ihr Zugang zu politischen Strömungen – von der MAGA-Rhetorik in den USA bis hin zu rechtsextremen Parteien in Europa. Ohne Gegenwehr wird ihr Einfluss – und die Kultur unkontrollierter männlicher Dominanz – weiterhin öffentliche Einstellungen und Politik prägen.
Handlungsbedarf: Mehr als nur Bewusstsein schaffen
Um diese Entwicklungen zu bekämpfen, reicht bloße Aufmerksamkeit nicht aus. Es braucht konkrete Maßnahmen: Täter müssen zur Verantwortung gezogen, giftige Narrative entlarvt und jene unterstützt werden, die sich gegen Frauenfeindlichkeit stellen. Nur so lässt sich der Teufelskreis aus Hass und Ungerechtigkeit durchbrechen.






