Deutschland setzt auf Gas und Fusion – doch Solaranlagen verlieren Förderung
Hannah BöhmDeutschland setzt auf Gas und Fusion – doch Solaranlagen verlieren Förderung
Deutschland treibt weitreichende Änderungen in seiner Energiepolitik voran. Die Bundesregierung plant den Bau neuer Gaskraftwerke und investiert gleichzeitig in zukunftsweisende Technologien wie die Fusionsenergie. Parallel dazu sind Kürzungen bei den Solarförderungen und strengere Regeln für Betreiber erneuerbarer Energien vorgesehen.
Das von Katherina Reiche geführte Wirtschaftsministerium will ab 2026 Gaskraftwerke mit einer Leistung von 12 Gigawatt errichten. Das Ministerium begründet dies mit der Notwendigkeit, die Netzstabilität zu sichern – bereits jetzt werden Reserve-Gaskraftwerke im Rahmen von Redispatch-Maßnahmen häufiger eingesetzt. Um die Nutzung der Gasinfrastruktur zu verlängern, soll eine Quote für grünes Gas eingeführt werden, die den Weiterbetrieb der Netze ermöglicht.
Gleichzeitig verschärft die Regierung die Vorgaben für erneuerbare Energien. Ab 2027 werden Fördergelder für neue kleine Solaranlagen schrittweise gestrichen. Betreiber in netzengpassbereichen verlieren zudem die Entschädigung, wenn sie ihre Einspeisung drosseln müssen. Die geplanten Änderungen würden Netzbetreibern mehr Kontrolle darüber geben, welche neuen Anlagen ans Netz angeschlossen werden dürfen.
Reiche, die zuvor die Gaslobbyverbände Westenergie AG und VKU leitete, unterstützt zudem eine mit 1,7 Milliarden Euro dotierte Forschungsinitiative zum Bau des ersten funktionsfähigen Fusionskraftwerks der Welt. Die EU steuert im Rahmen einer neuen Innovationsstrategie 200 Millionen Euro für die Entwicklung kleiner modularer Reaktoren (SMR) bei. Daneben will Deutschland die heimische Gasförderung ausbauen, darunter auch Offshore-Bohrungen vor Borkum.
Die neuen Maßnahmen markieren einen Kurswechsel in der deutschen Energiewende. Gaskraftwerke sollen in den kommenden Jahren eine größere Rolle spielen, während die Solarförderung zurückgefahren und die Netzvorgaben verschärft werden. Gleichzeitig setzt die Regierung auf Zukunftstechnologien wie die Fusion – auch wenn deren kommerzielle Nutzung noch Jahre entfernt ist.






